Waisen und kranke Kinder von Zaporoshye, Ukraine
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Waisen und Sozialwaisen in staatlichen F├╝rsorgeeinrichtungen

Trotz der positiven Deklarationen wurde die ukrainische Gesellschaft von einer Reihe politischer und wirtschaftlicher Ersch├╝tterungen gepr├Ągt, die wesentlichen Einfluss auf die allgemeine Situation von Kindern in der Ukraine hatte

Autor: Mykhaylo Plotsidem, www.uibk.ac.at
Veroffentlicht am: 2011-12-16 14-00-00   Counter: 2588
  
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1. Einfuhrung

Die Sorge um die Rechte der Kinder ist eine wichtige Entwicklung im 20. und 21. Jh. Gro├če Teile der heutigen Weltgesellschaft machen sich den Schutz der Kinderrechte zur Aufgabe. Als Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft hat sich auch die Ukraine daran beteiligt, bessere Bedingungen f├╝r die Kinder zu schaffen. Die Entwicklung und der Schutz der Kinderrechte werden durch das Festhalten an den Prinzipien der Demokratie, Gleichberechtigung, des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit gew├Ąhrleistet. (Aus diesem Grund ist die von der Ukraine im Jahr 1991 ratifizierte Konvention der UNO ├╝ber die Rechte der Kinder ein ausschlaggebendes Dokument. Die Konvention erkennt die Priorit├Ąt des Kindes in der Gesellschaft an und unterstreicht die Unzul├Ąssigkeit der Diskriminierung der Kinder aus irgendwelchen Gr├╝nden. Am wichtigsten wird dabei die Notwendigkeit einer staatlichen Betreuung sozial benachteiligter Kinder eingestuft, darunter: Waisen, Sozial-Waisen, behinderte Kinder, Fl├╝chtlinge etc. In der UNO-Konvention ├╝ber die Rechte des Kindes wird auch festgehalten, dass der volle emotionale Komfort der Kinder, die Atmosph├Ąre von Gl├╝ck, Liebe und Verst├Ąndnis optimal in einem famili├Ąren Umfeld realisierbar sind. Das Kind sollte im vollen Umfang f├╝r ein selbstst├Ąndiges Leben in der Gesellschaft, in einer besseren Wahrnehmung der hohen humanistischen Ideale und moralischen Werte erzogen werden. (Konvention der UNO ├╝ber die Rechte der Kinder. Kiev 1997, 32.).

Das Schlussdokument der speziellen Tagung der UNO-Vollversammlung im Interesse der Kinder hei├čt ┬źDie f├╝r die Kinder g├╝nstige Welt┬╗ und wurde am 30. Oktober 2008 vom Ministerkabinett der Ukraine unterzeichnet. In diesem Dokument geht es darum, dass die nationalen und globalen politischen Verantwortungstr├Ąger Innen und Staatsf├╝hrerInnen verpflichtet sind, zur ┬źphysischen, psychologischen, geistlichen, sozialen, emotionalen, bildungsm├Ą├čigen und kulturellen Entwicklung der Kinder beizutragen┬╗. In Folge dieses Dokuments hat sich die gesetzliche Lage im Hinblick auf die Kinderrechte in der Ukraine positiv ver├Ąndert. Dies zeigt sich an mehreren Faktoren, so z. B. in der Entwicklung der Staatspolitik im Hinblick auf die Kinderrechte oder in der Ausweitung des nationalen. (Beschluss des Ministerkabinetts der Ukraine am 10.08.2008, Nr. 2564 ┬źNationalplan der Realisation derKinderrechte der Konvention der UNO.Kontrollmechanismus zur Einhaltung der geltenden Gesetze im Bereich des sozial-rechtlichen Schutzes der Kinder).

Trotz der positiven Deklarationen wurde die ukrainische Gesellschaft im Laufe von anderthalb Jahrzehnten von einer Reihe politischer und wirtschaftlicher Ersch├╝tterungen gepr├Ągt, die wesentlichen Einfluss auf die allgemeine Situation von Kindern und Jugendlichen in der Ukraine hatte. Dabei ist zun├Ąchst an St├Ârungen der politischen, ├Âkonomischen und sozialen Stabilisierungsprozesse sowie an Manipulationen des gesellschaftlichen Bewusstseins zu denken. Es wird ersichtlich, dass z. T. ├Ąu├čerst destruktive Faktoren die sozialen Institutionen in Mitleidenschaft ziehen und dabei die Lebensorientierung der Bev├Âlkerung st├Âren. Dies f├╝hrt zur Relativierung der allgemein-menschlichen, geistlichen, moralisch-ethischen Werte, sie schw├Ąchen die Institution der Familie als Keimzelle der Gesellschaft und erschweren den Sozialisierungsprozess der Kinder. Von diesen negativen Auswirkungen sind die Waisenkinder am meisten betroffen. Balakireva O., Bykovska O., Wakulenko O. Derzhavna dopowid pro stanowysche ditey w Ukraini.(za pidsumkamy 2008 roku). Ministerium f├╝r Familie, Jugend und Sport. Kiev 2006, 232. Das Ministerium unterh├Ąlt regionale und lokale B├╝ros in allen Provinzzentren. Es ist zust├Ąndig f├╝r die Heime und Sozialdienste im ganzen Land und initiierte unter anderem Seelsorgezentren und Telefonnotdienste, mobile Beratungsstationen sowie Resozialisierungszentren f├╝r jugendliche Drogens├╝chtige. Das Ministerium hat ebenfalls Unterst├╝tzungsfonds eingerichtet, mit denen der Wohnungsbau f├╝r junge Familien gef├Ârdert werden soll. Es kooperiert mit ├Âffentlichen gesamtukrainischen Kinder- und Jugendverb├Ąnden sowie mit den Ministerien f├╝r Bildung und Wissenschaft, Gesundheit, Arbeit und Sozialpolitik und unterh├Ąlt bilaterale Kooperationen mit Institutionen in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Russland, Georgien, Aserbaidschan und Belarus. Das Ministerium f├╝r Familie, Jugend und Sport ist verantwortlich f├╝r staatliche Jugendarbeit im weitesten Sinn. Ihm zugeordnet sind unter anderem die regionalen und kommunalen Vertretungen des Ukrainischen Staatszentrums f├╝r Sozialdienste f├╝r Jugendliche, Jugendklubs, das Staatszentrum f├╝r Familien- und Jugendprobleme, regionale und kommunale Dienstleistungen f├╝r Minderj├Ąhrige, sozialpsychologische Krisen-, Rehabilitations- und Sozialisationszentren und auch Internetzentren, Jugendgesch├Ąftszentren und Arbeitskr├Ąfteaustausch. (Quelle: www.kmu.gov.ua).

2. Ziel meines Forschungsvorhabens

Es ist das Ziel meiner Dissertation, die Hauptursachen der Situation zu erforschen, in der ukrainische Waisenkinder leben; die realen Probleme der Waisenkinder und die der Elternsorge entzogenen Kinder, die in Heimen aufwachsen, zu erl├Ąutern, und auch die Aufmerksamkeit der Gesellschaft f├╝r diese Probleme zu sensibilisieren. Es soll auch ein Blick auf die staatliche und rechtliche Ebene geworfen werden. Die Erforschung und ├Âffentliche Thematisierung der Problematik erh├Âhen das Interesse f├╝r eine Adoption der Waisen in der Ukraine und ├╝ber ihre Grenzen hinaus. Dieser Artikel soll einen kleinen Beitrag zu einer ersten Bewusstmachung des Problems leisten.

3. Waisen in der Ukraine: Situation, Probleme und deren Ursachen

Die hohe Anzahl der Waisen unter Kindern und Jugendlichen ist heutzutage in der Ukraine zu einem gesellschaftlichen Problem geworden. Das Thema besch├Ąftigt weite Kreise der Gesellschaft, gro├če Bereiche der staatlichen Verwaltungsorgane, der lokalen Selbstverwaltung und der Religionsgemeinschaften.Die Zahl der Kinder, die staatliche Unterst├╝tzung brauchen, sowie die Anzahl der sozial gef├Ąhrdeten Kinder in den Anstalten der staatlichen Vormundschaft steigt st├Ąndig. In der sozial-demografischen Entwicklung zeigt sich die Tendenz einer Abtrennung der Elternschaft von der Institution Familie. (Hurko T. Parenting in einer sich ver├Ąndernden sozio-kulturellen Bedingungen. Kiev 1997, 72-79) Als Beweis daf├╝r gilt die wachsende Zahl der kinderlosen Familien, der allein erziehenden Elternteile, der geschiedenen Ehepaare, der Eltern, die ihre gesetzlich festgelegten Pflichten nicht erf├╝llen oder derjenigen Eltern mit entzogenen Elternrechten.

Um die Besonderheiten der Probleme von Waisen besser zu verstehen und L├Âsungswege zu finden, m├╝sste man zuerst Entstehung und Ursache sowie die Folgen dieses Ph├Ąnomens gr├╝ndlich analysieren.Der Mangel an staatlicher Unterst├╝tzung, bzw. die geringe Zahl von Initiativen und F├Ârderungsprogrammen f├╝r Familien mit Kindern geh├Âren zu den Hauptursachen der hohen Waisenzahlen. Dazu kamen in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch die Folgen der bereits erw├Ąhnten politischen und wirtschaftlichen Ersch├╝tterungen, die durch den Zerfall des Ostblocks ausgel├Âst wurden und gewissen neoliberalen Tendenzen die T├╝ren ├Âffneten. Beides zusammen hat zur Folge, dass viele Familien in der Ukraine mittlerweile unter der Armutsgrenze leben m├╝ssen. Die beschr├Ąnkten materiellen Ressourcen zwingen die Eltern, viel zu arbeiten bzw. zu emigrieren, um Geld zu verdienen. Den Kindern mangelt es an Aufmerksamkeit und Pflege der Eltern. Der Geldmangel verursacht sozial-psychologische Probleme, die in weiterer Folge auch zu Scheidung, Vergr├Â├čerung unvollst├Ąndiger Familien, Depression, Aggressivit├Ąt, Ausbreitung von Alkoholismus, Drogensucht und Anwachsen des Suizids mit sich bringen k├Ânnen. All das kann unertr├Ągliche Lebensbedingungen f├╝r Kinder in der Familie zur Folge haben. Den Angaben des ukrainischen Ministeriums f├╝r Familie, Jugend und Sport zufolge sind in der Ukraine mehr als 115.000 Waisen und Kinder ohne elterliche F├╝rsorge.(Potopachina O. Sozialer Schutz der Waisenkinder und der Kinder, die der Elternsorge entzogen sind. Odessa 2009, 4). Deshalb ist die Frage der Unterbringung der Kinder sehr aktuell.

4. Begriffe und Definitionen ÔÇô Waisen und Sozialwaisen

Gest├╝tzt auf einige wissenschaftliche Quellen, m├Âchte ich nun den Unterschied zwischen den Begriffen ÔÇ×WaisenÔÇť und ÔÇ×SozialwaisenÔÇť erl├Ąutern. Soziale Verwaistheit ist ein Zustand, verursacht durch Nichtwahrnehmung elterlicher Pflichten gegen├╝ber dem minderj├Ąhrigen Kind. Sozialwaisen verlieren infolge diverser sozialer, wirtschaftlicher, moralischer und psychischer Ursachen ihre Eltern und werden zu Waisen bei leiblichen Eltern, die noch am Leben sind. Diese Kinder bilden in unserer heutigen Gesellschaft eine besondere soziale Gruppe. Heutzutage gibt es in der Ukraine keine festgelegte Definition und Beurteilung dieser Kategorie der Kinder.

Massenmedien, psychologische und p├Ądagogische Arbeiten sowie Sozialbefragungen verwenden folgende Termini: Obdachlose, Nichtbetreute, Stra├čenkinder, Sozialwaisen, minderj├Ąhrige Risikogruppen. UNICEF z├Ąhlt zu Sozialwaisen folgende Gruppen:


- Kinder, die keinen Kontakt zu ihren Familien halten und in Zufluchtsorten leben;
- Kinder, die Kontakt zu ihren Familien halten, aber wegen Armut, Ausnutzung und Missbrauch in der Familie lieber untertags, aber auch nachts auf der Stra├če leben;
- Kinder, die in Heimen aufgewachsen sind, diese aber wegen diverser Ursachen verlassen haben und auf der Stra├če leben.

Der Begriff ÔÇ×WaisenkinderÔÇť bezieht sich auf Kinder, deren Eltern gestorben sind, oder deren Eltern die Elternsorge entzogen wurde, oder die eine Freiheitsstrafe in Justizanstalten verb├╝├čen oder verschollen sind, oder von zust├Ąndigen Gremien f├╝r physisch bzw. psychisch wahrnehmungsunf├Ąhig erkl├Ąrt wurden. (Hrebennikov I., Kovinko L. Erziehung in der Familie: Eine kurze Dictionary. Kiev 1990, 182). Dieser Status wird nur im Rahmen eines juridischen Verfahrens anerkannt und gew├Ąhrt das Recht auf staatliche F├╝rsorge. Diesbez├╝glich hei├čt es in der ukrainischen Verfassung, dass ÔÇ×der Unterhalt und die Erziehung der Waisenkinder und Kinder, die der Elternsorge entzogen sind, dem Staat ├╝bertragen wirdÔÇť. (Zivilkodex der Ukraine, ┬ž 52).

5. F├╝rsorgeformen f├╝r Kinder und Jugendlich

Die Analyse der Fachliteratur zeigt, dass in der Ukraine ein Erziehungsprogramm f├╝r Waisenkinder und Kinder, die der Elternsorge entzogen sind, sowie zur Realisierung ihrer Rechte in der Familie ausgearbeitet worden ist. (Artjuschkina L., Poljanutschko đÉ. Das sozial-p├Ądagogische Problem des Waisenstandes in der Ukraine. Sumy 2002, 268. Bevz H., Pescha I. Das Kind in der Betreuungsfamilie: Das ukrainische Institut der sozialen Forschung. đÜiev 2006, 318).

Dabei werden diverse Formen von F├╝rsorgemodellen unterschieden: verschiedene Formen der Vormundschaft bzw. Pflege, Adoption, Betreuungsfamilien und Familien-Kinderh├Ąuser. Neben diesen Formen der Familienf├╝rsorge sieht das Familiengesetz der Ukraine vor, insbesondere zur qualifizierten Unterst├╝tzung der Familien beizutragen, die f├╝r die Kinder spezielle Pflege brauchen. Diese Pflege- und Erziehungsaufsicht besteht in der Unterbringung der Kinder in Pflegefamilien. Rechte und Pflichten zum Schutz der Interessen des Kindes und der leiblichen Eltern werden vom zust├Ąndigen Amt in Zusammenarbeit mit den Pflegefamilien wahrgenommen. Die Pflegschaft ist kurzfristig (bis zu 6 Monaten) oder l├Ąngerfristig (bis zu 2 Jahren oder l├Ąnger, je nach Bed├╝rftigkeit der Kinder). Sie kann nicht nur in den F├Ąllen angewandt werden, in denen das Kind aus irgendeinem Grund ohne elterliche F├╝rsorge ist (wenn die Eltern gestorben sind oder im Krankenhaus sind, usw.), sondern auch, wenn es sich in einem gef├Ąhrlichen sozialen Umfeld befindet. Eine solche Pflegschaft findet h├Ąufig bei vor├╝bergehendem asozialem Verhalten von Eltern Anwendung. W├Ąhrend des Aufenthalts des Kindes in der Pflegefamilie macht die leibliche Familie Rehabilitationsarbeit, um eine baldige R├╝ckkehr des Kindes zu erm├Âglichen. Um dieses Modell zu f├Ârdern, bed├╝rfte es aber vor allem einer angemessenen Entlohnung der ErzieherInnen. (Bevz H., Boruschevskiy đť., Trusova L. Die Kinder der staatlichen Sorge: Probleme, Entwicklung, Unterst├╝tzung. đÜiev 2005, 246).

Vormundschaft bzw. Pflege haben ÔÇô so wie sie im ukrainischen Familienrecht definiert sind ÔÇô komplexe Bedeutungen. Vormundschaft bezieht sich auf Kinder bis zum Alter von 14 Jahren, Pflege auf Kinder im Alter von 14 bis 18 Jahren (Minderj├Ąhrige). Vormundschaft bzw. Pflege sind demnnach die juristischen Formen des Schutzes des pers├Ânlichen Eigentums und nicht des Eigentumsrechts von Minderj├Ąhrigen, die der elterlichen F├╝rsorge entzogen sind. Ihre Standards haben familien-, zivil- und auch verwaltungsrechtlichen Charakter. Sie regulieren einerseits die Beziehungen zwischen Vormundschaft und Pflege, andererseits zwischen Vormund und Pflegepersonen (Zivilkodex der Ukraine ┬ž 55-79). Die Vormundschaft wird beendet:

- nach Erreichen des 14. Lebensjahres des Kindes. In diesem Fall wird die Vormundschaft automatisch in ein Sorgerecht umgewandelt;

-im Fall der R├╝ckkehr des Kindes zu den leiblichen Eltern durch Gerichtsbeschluss;

-im Fall des Todes des Kindes oder des Vormunds.

Die Pflege wird beendet:

-nach dem Erreichen des 18. Lebensjahres;

-im Fall der R├╝ckkehr des Kindes zu den leiblichen Eltern durch Gerichtsbeschluss;

-im Fall des Todes des Kindes oder der Pflegeperson.

Der Gesetzgebung unseres Staates entsprechend, ist Adoption die Aufnahme eines unm├╝ndigen Kindes in die Familie mit den Rechten eines Sohnes oder einer Tochter aufgrund eines Gerichtsbeschlusses. Das gesetzgebende Verfahren der Adoption wird durch das Familiengesetz der Ukraine reglementiert. Die Verordnung zur Ausf├╝hrung der Kinderadoption und zur Verwirklichung der Aufsicht ├╝ber die Einhaltung der Rechte der Adoptivkinder wurde vom Ministerkabinett der Ukraine am 8. Oktober 2008 best├Ątigt. (Beschluss im Ministerkabinett der Ukraine am 08.10.2008. Nr. 905 ┬źStaatliche, schriftliche Akte ├╝ber den Zustand der Waisen und verlassenen Kinder in der Ukraine┬╗).

Das Familien-Kinderhaus besteht aus einer einzelnen Familie und entsteht aus dem Wunsch eines Ehepaares oder einer einzelnen unverheirateten Person. Eine solche Familie kann h├Âchstens zehn Mitglieder haben, inklusive der adoptierten Kinder. Die Personen, die sich f├╝r die Kinder verpflichten, bekommen den Status der Eltern-Erzieher. Die Kinder, die in einem Familien-Kinderhaus aufgenommen werden, hei├čen Pflegekinder. Allerdings verlieren sie nicht ihren Status als Waisenkinder und der Elternsorge entzogene Kinder. Die Pflegekinderbleiben bei den Pflegeeltern, bis sie vollj├Ąhrig sind. Im Falle der Fortsetzung des Studiums an einer berufsbildenden Schule oder Hochschule k├Ânnen sie bis zu ihrem Abschluss bleiben, insgesamt aber nicht l├Ąnger als bis zum Alter von 23 Jahren. Gro├čes Augenmerk wird in den Kinderh├Ąusern auf Pers├Ânlichkeitsbildung gelegt, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung sozialer Kompetenzen liegt.

Die Erfahrung mit den Kinderh├Ąusern in der Ukraine zeigt, dass sich ihre sozialen Funktionen von denen gew├Âhnlicher Familien wenig unterscheiden. Dabei gibt es eine ganze Reihe an Eigenschaften, die nur dem Kinderhaus eigen sind: Die leiblichen Eltern sind mit den Adoptivkindern nicht verbunden, die erziehenden Eltern sollen nicht nur die Pflichten der Erzieher erf├╝llen, sondern sind auch die Familienoberh├Ąupter gro├čer Familien. F├╝r die Familien ergeben sich so schwierige Aufgaben wie Korrektur und Kompensation der defekten Entwicklung der sozial gef├Ąhrdeten Kinder, des Zur├╝ckbleibens und der Vernachl├Ąssigung der Gesundheit, und auch das ├ťberwinden der Folgen psychischer Traumata, die nur bis zu einem gewissen Grad gel├Âst werden k├Ânnen. (Pescha I. Das soziale Schutz der Waisen. Kiev 2000, 85).

Eine Adoptionsfamilie ist eine Familie oder eine einzelne Person, die nicht verheiratet ist, die freiwillig und mit angemessener finanzieller Unterst├╝tzung aus den staatlichen Kindereinrichtungen h├Âchstens vier Kinder zur Erziehung in ihren eigenen Wohnraum aufnimmt (die Gesamtanzahl der Kinder in solchen Familien, leibliche und Adoptivkinder, soll nicht gr├Â├čer als f├╝nf Personen sein). Die Finanzierung der Adoptionsfamilie erfolgt aus dem Staatshaushalt. Geldbetr├Ąge, die den Adoptivkindern geb├╝hren (z.B. Rente, Unterhalt oder andere Arten von staatlichen Beihilfen) gehen in das Eigentum von Adoptiveltern ├╝ber und dienen als Vorsorge f├╝r die Kinder. Soziale Einrichtungen kontrollieren die Verwendung der Geldbetr├Ąge sowie das Wohlergehen der Adoptivkinder in den Familien. Die Adoptivkinder haben nach wie vor das Recht auf pers├Ânlichen Kontakt zu den leiblichen Eltern und anderen Verwandten, wenn es nicht in Widerspruch zu ihrem Interesse steht oder durch Gerichtsbeschluss verboten wurde. Die Formen der Kommunikation bestimmen die Justizorgane im Einvernehmen mit den Adoptiveltern und unter Beteiligung der sozialen Dienste f├╝r Familien, Kinder und Jugend.

Wichtigstes Kriterium f├╝r die Bestimmung der Wirksamkeit der famili├Ąren Pflege ist das Niveau der Anpassung des Kindes an die Forderungen der modernen sozialen Entwicklung. W├Ąhrend die Eltern fr├╝her ihren Erfolg in der Erziehung des Kindes nach dem Umfang der ├╝berlieferten Kenntnisse, F├Ąhigkeiten, ├ťberzeugungen, Werte gemessen haben, werden diese Kriterien im raschen sozialen Wandel nicht ausreichen. Die im Erziehungsprozess erworbenen Kompetenzen der Kinder zu selbst├Ąndigem Handeln und Entscheiden sollten Ma├čstab f├╝r die Beurteilung p├Ądagogischen Handelns sein, denn Selbstst├Ąndigkeit, Kreativit├Ąt und soziale Verantwortung sind entscheidende Kompetenzen in der gegenw├Ąrtigen Gesellschaft.

Zweifellos sind das Unterkommen in einer Pflegefamilie oder die Adoption der beste Ersatz f├╝r die verlorene Familie. Die Bildung von Familien-Kinderh├Ąusern liegt dabei zwischen der Erziehung in einer Familie und im Waisenhaus.

Dieser Prozess befindet sich in der Ukraine noch in den Anf├Ąngen, und erste aussagekr├Ąftige Ergebnisse dieses Modells m├╝ssen erst abgewartet und analysiert werden. W├Ąhrend die F├╝rsorge in Familien im Hinblick auf die j├╝ngeren Kinder leichter zu l├Âsen ist, ist es f├╝r die Kinder (Jugendlichen), die ├Ąlter als 10-12 Jahre alt sind, viel schwerer, eine Familie zu finden.

So bleibt f├╝r Kinder dieser Alterskategorie im Falle des Verlustes ihrer eigenen Familie meist nur die Internatsanstalt.

Den offiziellen Angaben des Ministeriums der Arbeit und der sozialen Politik entsprechend gab es in den Internatsh├Ąusern im Jahre 2000 7977 Kinder in 58 Anstalten, im Jahre 2009 in 55 Anstalten 6937 Kinder. (Balakireva O., Bykovska O. , Wakulenko O. Ministerium f├╝r die Familie, Jugend und Sport. Derzavna dopovid pro stanovytsze ditej v Ukraijni (za pidsumkamy 2005 r.) Kiev 2006, 229).

Die Probleme der Bildung und die Entwicklungsgesetzm├Ą├čigkeiten der Internatsanstalten wurden bereits von mehreren Wissenschaftlern untersucht, die ihre besondere Aufmerksamkeit der moralischen Entwicklung der Waisen und der Kinder und Jugendlichen, die der Elternsorge entzogen wurden, widmen. Weiters stehen in diesen wissenschaftlichen Analysen auch die Humanisierung der zwischenmenschlichen Kommunikation und das Schaffen einer famili├Ąren Beziehung im Mittelpunkt des Interesses. Dabei werden u.a. folgende Probleme genauer beleuchtet: das Fehlen famili├Ąrer Beziehungen und elterlicher Vorbilder sowie die gest├Ârte Kommunikation in den noch vorhandenen Familien, die wiederum zu erh├Âhter Aggressivit├Ąt bei den Kindern und Jugendlichen f├╝hrt. (đÉntonova-Turtschenko đ×., Artuschkina A., Wolunets L., Zavhorodnja đó., đÜđ░rpenko đ×., Kobzar B., đÜđżmarova N., Lysenko N., Nahatschevska Z., Pjescha đć., Poljanytschenko đÉ., Stuparyk B., Wolanuk R., Jđ░kovenko B., Haluzova đť., Zvejeva đć., đÜđ░pska đÉ., đ×vtscharova R., Potopachina O. Sozialer Schutz der Waisen und Kinder, die entzogen sind. Odesa 2009, 42-43. Repa N., Stepanenko A. Moralne wychovannja utschniw shkoly-internatu. Moralische Erziehung den Sch├╝lern im Internat. Kiev 1996, 5-6).

Der Aufenthalt in den Internatseinrichtungen verst├Ąrkt noch die Gef├╝hle der sozialen Entfremdung und produziert W├╝nsche nach sozialer Abschottung und Ignorierung der Gesellschaft. Negative Auswirkungen der Kinderausbildung in Waisenheimen zeigen sich vor allem darin, dass diesen Kindern und Jugendlichen faktisch die M├Âglichkeit genommen wird, Familienbeziehungen wahr- und an ihnen teilzunehmen. Die Praxis zeigt, dass die Gr├╝ndung einer eigenen Familie und ihr Erhalt f├╝r die Kinder aus den Internatsanstalten mit gr├Â├čeren Schwierigkeiten verbunden sind. Die meisten Internatsabg├Ąnger heiraten untereinander und setzen die gewohnten Formen des Zusammenlebens fort. (Prychozan A., Tolstich N. Deti bez semji. Die Kinder ohne Familie. Moskau 1990, 160).

Die negativen Faktoren, die sich bei der Sozialisation der Kinder in den Internatsanstalten zeigen, k├Ânnen wie folgt zusammengefasst werden:

-Emotionale Probleme: Mangel an Kommunikation mit der leiblichen Mutter; Mangel an Liebe, Zuneigung, Aufmerksamkeit; eingeschr├Ąnkte Kommunikationskompetenz bedingt durch die beschr├Ąnkten Kontakte, durch die Grausamkeit der Mitarbeiter und der Internatsgenossen; erh├Âhte Angstgef├╝hle, niedriges Selbstbewusstsein, emotionale Unzufriedenheit, Mangel an freien Entscheidungen und der Reglementierung von Zeit.

-Soziale und psychologische Probleme: Fehlen von sozialen F├Ąhigkeiten, Mangel an Erfahrungen im Hinblick auf die eigene Problembew├Ąltigung, Drogenabh├Ąngigkeit, Alkoholismus, psychische Erkrankungen etc.

-Finanzielle Probleme: Mangel an privatem Freiraum (eigenes Zimmer, etc.), st├Ąndiger Aufenthalt im engen Kommunikationsmilieu des Heimes; finanzielle Benachteiligung, die Kinder besitzen keine eigenen Ersparnisse und keine Erfahrung im Umgang mit Geld.

All diese Probleme betreffen aber nicht nur das Individuum, sondern wirken sich auch negativ auf den Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen aus. Dadurch kann es zu einer Dynamik kommen, die wiederum die oben genannten Probleme ÔÇ×f├ÂrdertÔÇť.

6. Res├╝me

Heutzutage existieren in der Ukraine parallel zwei Pflegesysteme f├╝r Waisenkinder und f├╝r Kinder, die der Elternsorge entzogen sind:

-das traditionelle System: das sind Heime, die f├╝r den Staat sehr teuer sind und eine allgemein wertebezogene moral-ethische Erziehung und Bildung, aber auch die soziale und psychische Entwicklungsunterst├╝tzung f├╝r die Kinder nicht leisten k├Ânnen;
-spezielle Formen der Erziehung f├╝r Waisenkinder und Kinder, die der Elternsorge entzogen sind, in Familien und familien├Ąhnlichen Institutionen.

Eine gleichzeitige Entwicklung dieser Systeme und die Politik der Erhaltung des Systems der Anstalten ohne Ver├Ąnderungen ist ineffizient hinsichtlich der Versorgung der Kinder sowie der Ausnutzung der Budgetkosten.

Die Ausbreitung eines Netzes von Internatsanstalten ruft Bedenken hinsichtlich der hohen Ausgaben sowie des schwachen moralisch-ethischen Moments solcher Einrichtungen hervor. Die durchgef├╝hrte Analyse der wissenschaftlichen Dokumente best├Ątigt alle Gr├╝nde, warum der Prozess des Ausbaus der Formen der Familienf├╝rsorge f├╝r alle Beteiligten kompliziert ist: f├╝r die Kinder, die Traumata erfuhren und qualifizierte Hilfe brauchen; f├╝r die B├╝rger, die die Kinder und ihre Familienmitglieder in Obsorge nehmen; f├╝r staatliche Organe und ├ämter, die das Funktionieren der Familienformen der Erziehung gew├Ąhrleisten sollen; f├╝r den Staat und seine soziale Politik.

Die ukrainische Sozialpolitik zielt auf die Schaffung optimaler Lebensbedingungen f├╝r sozial benachteiligte Kinder ab.

Die Durchf├╝hrung der humanistisch orientierten Sozialpolitik erfordert dabei eine Neuausrichtung der staatlichen Priorit├Ąten auf die individuellen Bed├╝rfnisse der Kinder sowie eine F├Ârderung der optimalen Bedingungen f├╝r ihre Ausbildung und Entwicklung.

Die Demokratisierung der ukrainischen Gesellschaft tr├Ągt wesentlich zur intensivierten Suche nach neuen Ans├Ątzen in Bildung und Versorgung der Kinder mit fehlender elterlicher Erziehung auf der Grundlage des Humanismus bei.

Zweifellos verbessert die Einf├╝hrung der Institution der Pflegefamilie deutlich den sozialrechtlichen Status und den moralisch-psychologischen Zustand der Waisenkinder und Kinder, die der Elternsorge entzogen sind.

Eigentlich k├Ânnen durch die Schaffung alternativer Formen der Familienpflege f├╝r Waisenkinder und Kinder ohne elterliche F├╝rsorge die Forderungen der internationalen Beschl├╝sse umgesetzt werden. Damit werden die Bed├╝rfnisse der Waisenkinder gew├Ąhrleistet: Erziehung in einer famili├Ąren Umgebung, in einer Atmosph├Ąre von Gl├╝ck, Liebe und Harmonie.

F├╝r die Verbesserung der Ausbildung und Pflege von Waisen und Kindern ohne elterliche Betreuung ist es notwendig, Vorbeugungsmechanismen zu erarbeiten, die die Erf├╝llung der Elternpflichten sowie materielle und psychologische Unterst├╝tzung f├╝r bed├╝rftige Familien gew├Ąhrleisten k├Ânnen. Dabei sollten die oben erw├Ąhnten negativen Entwicklungen hinsichtlich der Familienwerte in der Bev├Âlkerung ber├╝cksichtigt werden.





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