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Der Appell eines Kindes vom höchsten Berg der Ukraine

Neulich kletterten junge Kosaken aus Saporoshje auf die Spitze des Berges Howerla. Dort lasen sie einen Appell vor, der aus der Geschichte eines Jungen aus dem Kalinowka-Internat für behinderte Kinder stammt

Autor: Albert Pavlov, Vladimir Krasnogolovy, übersetzt von David Sudermann, www.deti.zp.ua
Veroffentlicht am: 2011-12-22 20-00-00   Counter: 1987
  
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Liebe Freunde!

Vor kurzem stiegen einige junge Kosaken aus Saporoshje bis auf die Spitze des Berges Howerla, der höchste Punkt der Ukraine, damit viele Menschen meinen Aufruf hören können.



Lasst mich nun meine Geschichte erzählen! Sie bildet den Kern dieses Appells.



Meine Erscheinung in der Welt haben die Eltern kaum als Segen empfunden. "Normalen" Babys war ich so unähnlich, daß ich den von mir am meisten geliebten Menschen, meine Mutter, abgeschreckt habe, auch wenn sie mich neun Monate unter ihrem Herzen trug. Sie hatte Angst vor der Meinung von Verwandten und Nachbarn, und konnte mich deshalb nicht bei sich behalten. Nur wenige Tage stillte sich mich, ehe ich von ihr abgegeben wurde. Nachher bekam ich nur noch die trostlosen Wände des Krankenhauses zu Gesicht.

Dass ich unerwarteterweise am Leben blieb, überraschte die Ärzte sehr, und als Dank dafür versetzten sie mich in ein Heim für Säuglinge. Dort verbrachte ich die ersten vier Jahre meines Lebens.

Auf unserer Station schrien und weinten die Kinder ununterbrochen. Obwohl die Schwestern uns regelmässig badeten und fütterten, sehnten wird uns alle nach Mutterliebe und –pflege. Niemand war da, der meine geistigen Möglichkeiten hätte erkennen können, und meine kleinen Fortschritte feierte niemand mit mir. Ich wurde aus der bunten Lebenswelt von anderen Kindern ausgeschlossen und einfach versteckt. Ich hörte fast auf, mich geistig und körperlich zu entwickeln: mit vier Jahren konnte ich weder reden noch gehen. Deshalb schenkten mir kluge „Tanten“ und „Onkel“ eine doppelte Diagnose von „ernsthaft geistig behindert“ und „Rehabilitation unmöglich“.

Mit vier Jahren wurde ich in ein Internat für etwas ältere Kinder im Dorf Kalinowka verlegt. Ehrlich gesagt, im Vergleich mit dieser neuen Kreuzwegstation, war das Babyheim ein echtes Paradies. In diesem weit abgelegenen Internat, ganz von öffentlichen Menschenaugen abgeschirmt, waren 150 behinderte Kinder sozusagen eingesperrt. Alle fühlten sich ebenso miserabel wie ich. Jedes Jahr starb hier ein Zehntel der Kinder — oft ohne die nötige ärztliche Betreuung. Im Friedhof nebenan liegen mehr als 400 kleine vernachlässigte Gräber.

Tagsüber konnten wir nichts anderes tun als im Bett liegen und entweder die Zimmerdecke oder eintönige weisse Wände anstarren. Wir vegetierten als nicht normale Kinder einfach vor uns hin. Kein einziges Spielzeug! Und monatelang gingen wir nicht nach draussen. Keine Sonne, keine frische Luft. Ärzten, die in entfernten Städten wohnten, fiel es schwer, unsere Misere anzusehen und blieben deshalb meistens vom Kinderheim meistens fern.

Wohlmeinende Stifter und freiwillige Helfer kamen auch nicht zu uns, denn sie wollten nicht einen halben Tag im Wagen verbringen, um zu uns hinauszufahren. Wahrscheinlich fiel es auch ihnen schwer, unsere Existenz wahrzunehmen. Was hätten sie bloß tun können? Nach und nach wurde es mir egal, denn ich habe mich daran gewöhnt, in die Hosen zu machen, weil ich der Helferin nicht erklären konnte, dass ich dringend aufs Klo muss. Jedenfalls konnte sie mich wegen des andauernden Lärms von 25 zusammen schreienden Kindern gar nicht hören!








Das bin ich, Aljoscha, Hauptfigur dieses Briefes!

Manchmal aber findet ein winziger Lichtstrahl den Weg in eine dunkle Höhle. Genau so ist solch ein Wunder bei uns geschehen: Eines Tages besuchten einige junge Leute von einer Wohltätigkeitsorganisation aus Saporoshje ("Glückliches Kind") unser Internat. Der neue Direktor des Internats erlaubte ihnen zum ersten Mal, in unsere Station hereinzukommen. (Das Internat war vorher „geschlossen“.) Sie trauten kaum ihren Augen, und ihnen kamen die Tränen, als sie uns sahen! Obwohl ich nicht reden konnte, spürten sie, daß ich intelligent bin and haben mich irgendwie verstanden.

Später kamen diese Leute zurück, dann immer wieder. Bald erhielten wir durch die "Glückliches Kind"-Stiftung die erste Lehrerin. Sie brachte uns raus in die frische Luft, half uns beim Basteln von einfachen Kunsthandwerken, und Ihr werdet es nicht glauben — das Lesen hat sie uns beigebracht — ehrlich! Dann stellte sich heraus, daß ich Buchstaben leicht auswendig lernen kann, und ich hoffe, demnächst auf dem Computer schreiben zu lernen! Nun kann ich darum bitten, aufs Klo zu gehen und muss nicht mehr in vollgemachten Hosen hilflos dasitzen! Außerdem habe ich jetzt meinen eigenen Rollstuhl und bin nicht mehr gezwungen, wie Kafkas Gregor Samsa als „Ungeziefer“ am Boden herumzukriechen. Neulich bin ich zum ersten Mal in der See geschwommen! Und zum ersten Mal im Leben habe ich bemerkt, daß jemand an meinem Erfolg Vergnügen hat! Mir gingen die Augen auf: Ich kann doch nützlich sein und jemandem Freude bringen — wenn es nur meiner Mutter wäre!


Kaum zu glauben: Meine erste Schwimerfahrung!

Vieles hat sich inzwischen verbessert. Trotzdem fühle ich mich manchmal traurig, denn ich bin Teenager geworden, und eines Tages werden sie mich in ein großes Heim für Erwachsene versetzen, wo Geisteskranke sowie körperlich und kognitiv Behinderte leben. Natürlich ist das kein richtiges Leben, und ich werde wahrscheinlich, wie diese armen Seelen, ohne Perspektive in den Tag leben. Diesmal überlebe ich es nicht.

Doch noch ist nicht alles verloren, denn die Glückliches Kind-Freiwilligen appellieren durch das World Wide Web an andere gute Menschen, und was besonders wichtig ist, sie haben meinen Freunden und mir ein „familientypisches“ Heim komplett renoviert — mit neuem Dach und instandgesetzten Wänden, Zimmern, Strom und sanitären Einrichtungen. Am 1. Dezember zogen wir ein, aber wir brauchen weitere Hilfe, um Möbel zu kaufen und das Gehalt für unsere Lehrkräfte zu bezahlen.

Während der Restaurierung des Hauses, keimte mit jedem Tag in uns langsam Hoffnung auf. Und jetzt, da es fertig ist, und wir drinnen wohnen, verfalle ich nach dem Einschlafen nachts in meinen Traum: ich werde lernen, mit einem Computer zu arbeiten, und dann werde ich ein Buch über mein Leben schreiben. Das Buch wird zum Bestseller werden!


So sieht das Haus für neun Kinder mit besonderen Bedürfnissen jetzt aus

Vielleicht wird meine Mutter das Buch lesen und mich wiederfinden. Dann könnten wir zusammen leben! Ich werde viele Bücher verkaufen und das Geld der Glückliches Kind-Stiftung geben, um in der ganzen Ukraine weitere familientypischen Häuser bauen zu lassen! So wie ich, werden andere verlassene Kinder auf ein besseres Leben hoffen können.

Wenn Euch meine Geschichte und der Aufruf der jungen Kosaken auf dem Berg Howerla berührt haben soll, und Ihr meinen Freunden und mir helfen wollt, bitte besucht uns in Kalinowka, um alles mit eigenen Augen selbst zu erleben!

Die Adresse:
Kalinowka-Internat
Dorf Kalinowka
Chernigow Distrikt
Saporoshje Region
Ukraine

Rufen Sie uns bitte vorher an! Mobiltelefon: +38 066 513 34 35.
Falls Ihr Euch überlegt habt, eine Geldspende zu machen, könnt Ihr euch ebenso direkt an die karitative Organisation Glückliches Kind wenden. Die jungen Leute, von denen ich oben geschrieben habe, gehören zu dieser Gruppe. Sie sind Euch für jede Spende für Kalinowka dankbar.

Euer,
Aljoscha (im Kalinowka-Internat)


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