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Dieses Kind braucht eine Familie: Aljoscha Romanow aus Kalinowka

Aljoscha kann leider nicht mehr adoptiert worden sein

Autor: Ann Gerashenko, übersetzt von Pospelova Ekaterina, www.deti.zp.ua
Veroffentlicht am: 2012-01-13 00-40-00   Counter: 2267
  
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Aljoscha kann leider nicht mehr adoptiert worden sein.

Unter dreißig Jungen fällt Aljoscha nicht sofort auf. Er ist still, sitzt in seinem Rollstuhl etwas weit von den Gästen entfernt. Erst wenn man ihn bemerkt, hebt er seine Hand, als ob er sagen wollte: „Ich bin hier! Hallo!“

Er ist jetzt achtzehn Jahre alt. Man sagt, er konnte einmal spazieren gehen. Man sagt auch, er wohnte mit seinen Eltern, aber dann kehrte er wieder ins Internat zurück. Aljoscha selbst spricht fast nicht; zwar kann er sprechen, aber jedes Wort kostet ihm ungeheuer viel Mühe.

Vor zwei Jahren bekam Aljoscha seinen eigenen Rollstuhl und machte einen Spaziergang mit anderen Jungen: eine gemischte Gruppe aus behinderten und und gesunden Jungen. Jungs sind laut, es ist nimmer ein ruhiger Spaziergang. Die Rollstuhlfahrer rufen oft den Betreuer und stellen ihm dieselbe Frage mehrmals (wahrscheinlich um dessen Aufmerksamkeit zu gewinnen oder vielleicht auch nicht), die gesunden Kinder muss man immer im Auge haben – der eine klettert über den Zaun, der andere möchte Fangen spielen. Da kann man leicht verstehen, dass sieben Kinder mehr als einen Betreuer brauchen. Und im Gartenpavillion toben noch zwanzig Jungen, die unbedingt "spazieren gehen" wollen. Nur Aljoscha bleibt ruhig, wartet geduldig, ruft niemanden ohne einen wirklichen Grund. Er macht eine kreisende Handbewegung, um die Ähren zu greifen und aus der Erde zu ziehen. Er riecht den Duft und genießt dieses neue Erlebnis. Mittendrin im Trubel, strahlt sein Gesicht Ruhe und Wonne aus.


Während unseres ersten Besuches im Frühling 2007, erlebten wir, wie Aljoscha die ganze Zeit im Bett verbrachte - im Zimmer mit besonders entwicklungsverzögerten Kindern.

Erst später stellte sich heraus, dass Aljoscha alles versteht. Das heißt, er kann zählen und kennt viele Buchstaben. Das trotz der Jahre, wo er sich tagein tagaus unter Kindern mit starken Entwicklungsstörungen befand, die wie er nicht gefördert wurden.

Ein ehrenamtlicher Helfer, der im letzten Sommer im Internat gearbeitet hat, erzählte uns:

„Es ist unmöglich einem Kind die erforderliche Aufmerksamkeit zu schenken. Dutzende Augenpaare beobachten jede deine Bewegungen. Manche weinen und werden zimperlich, andere können dich sogar schlagen, mit einem Ziel der menschlichen Zuwendung. Einmal wollte ich mit Aljoscha alleine spazieren gehen, so, dass die anderen das nicht mitbekommen. Damit er wenigstens eine Stunde das Alleinsein genießen könnte. Die Einzelheiten habe ich zwar schon vergessen, aber Dank sei Gott, es gelang mir. Ich brachte ihn in den Schatten alter Bäume, neben einem alten Brunnen, wo es kein Wasser mehr gibt. Da herrscht Ruhe. Soweit ich mich erinnern kann, nahm ich die Bücher mit, die ich im Spielzimmer fand. Eine Blume aus einem Strauch zupfend und das Gesicht dem warmen, trockenen Steppenwind entgegen, hörte er mir zu und bat mich weiterzulesen, wobei er das Wort „weiter“ mit Mühe ausspricht. Ich glaube diesen Spaziergang vergisst er nie in seinem ganzen Leben.



Erst später stellte sich heraus, dass Aljoscha alles versteht. Das heißt, er kann zählen und kennt viele Buchstaben. Das trotz der Jahre, wo er sich tagein tagaus unter Kindern mit starken Entwicklungsstörungen befand, die wie er nicht gefördert wurden.

Ein ehrenamtlicher Helfer, der im letzten Sommer im Internat gearbeitet hat, erzählte uns:

„Es ist unmöglich einem Kind die erforderliche Aufmerksamkeit zu schenken. Dutzende Augenpaare beobachten jede deine Bewegungen. Manche weinen und werden zimperlich, andere können dich sogar schlagen, mit einem Ziel der menschlichen Zuwendung. Einmal wollte ich mit Aljoscha alleine spazieren gehen, so, dass die anderen das nicht mitbekommen. Damit er wenigstens eine Stunde das Alleinsein genießen könnte. Die Einzelheiten habe ich zwar schon vergessen, aber Dank sei Gott, es gelang mir. Ich brachte ihn in den Schatten alter Bäume, neben einem alten Brunnen, wo es kein Wasser mehr gibt. Da herrscht Ruhe. Soweit ich mich erinnern kann, nahm ich die Bücher mit, die ich im Spielzimmer fand. Eine Blume aus einem Strauch zupfend und das Gesicht dem warmen, trockenen Steppenwind entgegen, hörte er mir zu und bat mich weiterzulesen, wobei er das Wort „weiter“ mit Mühe ausspricht. Ich glaube diesen Spaziergang vergisst er nie in seinem ganzen Leben.

Eine andere Situation bleibt ebenso unvergessen:

Im Frühling kamen Ärzte für Rehabilitation und Psychatrie ins Internat, um ein Seminar zu veranstalten. Einer der Teilnehmer war auch ein Fachmann im Bereich Orthopädiemechanik. Ich wollte die Möglichkeit nutzen und ihn befragen, wie die Kinder korrekt gemessen werden müssen, damit man dann individuell angepasste Rollstühle für sie kaufen könnte. Wir brachten Aljoscha zum genauen Vermessen ins Zimmer.

Unterwegs sprachen wir über verschiedene Dinge, machten Witze und lachten. Erst wenn wir ins Zimmer kamen, bemerkte ich, dass Aljoscha sein Gesicht abgewendet hatte. In seinen Augen standen ihm Tränen. Mit uns sprechen und uns ansehen, wollte er gar nicht. Alle meine Versuche, an ihn heranzukommen, scheiterten. Wir waren doch Freunde. Er freute sich sonst immer, wenn wir ihn besuchten, denn mit ihm war es leicht ins Gespräch zu kommen, auch wenn das kein normales Gespräch war. Wir saßen noch einige Zeit zusammen, ich sage ihm etwas, aber er will nicht zu mir schauen. Ich konnte in diesem Augenblick nichts ändern. Er weiß, dass wir bald in unsere gesunde Erwachsenenwelt zurückkehren, da wo gescherzt und gelacht wird, eben in die Welt unserer Probleme. Zu unseren alltäglichen Sorgen, sowohl wichtigen, als auch nicht so wichtigen. Doch nur er bleibt hier im Gartenpavillion zurück und wird warten. Ich fühle mich irgendwie schuldig. Ich weiß nicht, wie ich ihn trösten kann, was ich sagen kann… „In diesem Sommer fahren wir unbedingt zum Meer. Weine nicht. Bitte…, ich muss zurück." Schmerzvoll auch für mich, denn ich wusste in diesem Moment nicht, wie man das erfüllen kann, was man so leicht versprochen hat.

Sommer 2009. Zwölf Kinder fahren zum Sommerlager. Nie vorher gab es dort Rollstuhlfahrer. Ein Sommerlager gleicht im gewissen Sinne eins dem anderen. Oder haben Sie einmal Rampen gesehen, die zum Meer führen? Spezielle Wege für Rollstühle, breite Türen, Toiletten für Behinderte? Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen, doch in der Schweiz, Holland, Deutschland, aber keine in der Ukraine. Dima Saj (ein ehrenamtlicher Helfer aus Nikolaew), der vor kurzem aus den USA zurückkam, sah sie dort auch und erinnert sich. Jedes Mal, wenn er Aljoscha auf seinen Rücken nimmt, um ihn in den Gartenpavilllion am Meer zu tragen: Es ist keine leichte Verantwortung! Wenn es Dima nicht gäbe, würde Aljoscha das Meer nicht sehen können, denn die Pflegerin kann ja einen erwachsenen Jungen nicht auf die gleiche Weise ans Meer bringen.


Wenn es Dima nicht gäbe, würde Aljoscha das Meer nicht sehen, denn die Pflegerin kann ja einen erwachsenen Jungen nicht ans Meer tragen

Und mit ihm hat er seinen ersten echten Freund gefunden...

Witja, ein hübscher fröhlicher Junge aus einem anderen Internat. Ich weiß nicht, wie sie einander im Gedränge der Kinder gefunden haben. Aber seit diesem Moment und jedes Mal, wenn die Gruppen etwas gemeinsam unternehmen, sind Aljoscha und Witja zusammen. Witja beginnt Aljoschas Rollstuhl im Kreise zu drehen, was den den beiden riesigen Spaß bereitet! Aljoschas Füße schrammen über den Boden, denn sein Rollstuhl hat kein Fußbrett. „Witja, ich bitte dich, lass das! Guck mal, er klammert sich ja mit den Füßen an den Boden.“ Aljoscha scheint keine Schmerzen zu fühlen. Er strahlt vor Wonne.


Witja und Aljoscha

Jemand von den Mitarbeitern des Sanatoriums kommt auf uns zu und sagt, dass er das Fußbrett machen könne. „Nanu, welch barmherzige Leute“, dachte ich mir. Dem Gespräch schließen sich noch drei weitere Personen an, um zu besprechen, wie man das Fußbrett am besten herstellt. Sie versichern, es bald zu machen.

„Aljoscha, du wirst dein Fußbrett haben!“, erzähle ich ihm, zugleich ist er außer sich vor Freude. Denn das bedeutet für ihn, seine Füße nicht mehr in der Luft nicht halten zu müssen, was sehr anstrengend ist. Aljoscha lächelt. Es vergeht ein Tag, zwei Tage, eine Woche, und nichts geschieht. Wir befestigen anstatt des versprochenen Fußbrettes einen Kissenbezug am Rollstuhl, damit er seine Füße darauf ablegen kann. Doch nach ein paar Tagen ist der Kissenbezug zerrissen. Wir fanden eine andere Lösung – ein Taschenriemen übernahm den Dienst.

Man hat ihm kein Fußbrett gemacht.

Erwachsene mit guten Vorsätzen. Ich glaube, ich werde mich nie an Versprechen gewöhnen, die nicht erfüllt werden. Oder an solche Hilfsangebote und Geschenke für Kinder oder dem Internat, die noch einer Reparatur oder der Selbstabholung bedürfen. Oder wenn man noch zuzahlen soll.

Dieser Tage wohnen wir zu dritt in einem Zimmer: Aljoscha, Dima und ich. Die Balkontür ist zu schmal, wir müssen Aljoscha selbst ins Zimmer tragen. Wegen der räumlichen Enge in Toilette und Bad, ist es für uns alle etwas schwierig. Aljoscha ist erwachsen und es ist ihm dann peinlich, wenn Dima ihm hilft.

Ein Kurzdialog:
- Aljoscha, träumst du manchmal?
- Mmm…ja.
- Wovon denn?
- Vommmm...Meer


Im Sommer 2009 Aljoscha badet zum ersten Mal im Meer

Aljoscha mag am liebsten Perlenstickerei. Er kann kaum den Löffel in der Hand halten, seine Bewegungen sind zu impulsiv und etwas ungeschickt. Seinen Kopf lässt er immer etwas nach hinten hängen. Wenn ihm aber der Lehrer ein Schälchen mit Perlen und einen Draht gibt, geschieht ein Wunder. Man glaubt seinen Augen kaum. Es ist höchst erstaunlich, wie er das macht, wie er mit einen Draht Perlen aufreit. Eine Perle nach der anderen. Und wie sein Gesicht dabei aussieht! Das nennt sich Inspiration. Seine Seele ist in dieser Blume, die er selbst gemacht hat! Welch ein Stolz in seinen Augen! „Das hab ich selbst gemacht! Selbst! Guck mal, ich kann das!“




„Das hab ich selbst gemacht! Selbst! Guck mal, ich kann das!”

Aljoscha kann sich nicht mit vielen Worten ausdrücken, deswegen muss man für ihn reden:

„Ich kann keine andere Welt sehen, wenn niemand mich mit meinem Rollstuhl irgendwohin bringt. Ich kann keine Blumen machen, wenn niemand mir Perlen gibt. Ich kann mich nicht mit meinem Freund treffen, wenn uns niemand zusammenbringt."

Und ich will dies alles so sehr…

Damit Aljoscha und andere Kinder menschenwürdig leben können, brauchen sie auch Ihre Hilfe. Man benötigt Geld für Dinge wie Perlen, Draht, Bücher und Baukästen, um die Perlenstickereikurse fortzuführen. Finanzielle Mittel um Arzneien, Orthopädie- und Rehabilitationsgeräte zu erwerben. In der letzten Zeit, wahrscheinlich wegen der Krise, bekommt das Internat deutlich weniger finanzielle Hilfe. Wir verfügen noch Geld, um den Mitarbeitern ihre Löhne für einige Monate zu zahlen. Aber dieses Guthaben schwindet zusehens. Wir verstehen sehr gut, dass die Leute, die uns jetzt zwei Jahre finanziell unterstützt haben, auch nicht steinreich sind und irgendwann keine Hilfe mehr leisten können. Dank den Leitern und Mitarbeitern des Internats und unseren Stiftern, ist die Situation zwar besser geworden, aber sie bleibt so nicht stabil. Da wir den Kindern einmal die Möglichkeit zum besseren Leben eröffnet haben, dürfen wir sie ihnen weder in einem Jahr noch in zwei Jahren wieder wegnehmen. Das wäre grausam und unbarmherzig!

Aljoscha, was kann ich dir garantieren? Für morgen, für den nächsten Sommer, für die nächsten fünf Jahre?

Rollstuhl, Unterricht und verreisen? Oder wie es vor einigen Jahren war: nur ein Bett und nichts weiter, als die weiße, kahle Wand?

Weil Aljoscha bereits erwachsen ist, kann er zwar nicht mehr adoptiert werden, aber es besteht die Möglichkeit für ihn, in ein Pflegeverhältnis zu kommen.

Die Kinder in Kalinovka sind wie kleine Sonnen aus einer anderen Welt. Und die Eltern für solche Kinder sollten auch besonders sein, ausgestattet mit dem doppelten-dreifachen Vorrat an Geduld und Fürsorge. Möglichlicherweise befindet sich unter den Lesern eben jene außergewöhnliche Familie, die den Jungen ins Herz schließt, wie er ist. Die künftigen Eltern sind gut beraten, das Merkblatt für potentielle Adoptivväter, Vormunde und Pflegeeltern zu beachten.

Die freundlichen Helfer der Stiftung "Glückliches Kind" beantworten Ihnen gern Ihre Fragen

Dank vieler hilfsbereiter Menschen, wurde das familäre Haus in Kalinovka errichtet. Der Junge lebt jetzt dort in einer Weise, wie sie zu Hause üblich ist. Aber die Aufrechterhaltung bzw. Fortführung dieser normalen Lebensweise mit bedürftigen Kindern erfordert monetäre Mittel. Die zusätzlich angestellten Erzieher, die sich mit den Kindern beschäftigen, müssen für ihre unentbehrliche Arbeit bezahlt werden. Auch ist der Einkauf pädagogischen Spielzeugs und von verschiedenen Materialien erforderlich. Uns darin helfend, verbessern Sie die Lebensqualität dieser Kinder!

Nähere Einzelheiten zu Spenden für die Kinder in Kalinovka, haben wir hier für Sie bereitgestellt.

Anja Geraschtschenko, Kharkow
ann.g.ko [at] gmail.com





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