Waisen und kranke Kinder von Zaporoshye, Ukraine
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Woher kommen die Sozialwaisen?

Wir haben im Saporosсhjer Gebiet ca. zwanzig Dörfer besucht, um diese Frage beantworten zu können

Autor: Viktoria Motschalova, Sergej Ovtscharenko,Albert Pavlov übersetzt von Elena Davybaran, www.deti.zp.ua
Veroffentlicht am: 2012-01-30 15-00-00   Counter: 2088
  
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In solchen Häusern wohnen in der Region Saporosсhje hunderte von Krisenfamilien

In den letzten zwei Monaten haben wir mehr als zwanzig entlegene Dörfer im Gebiet Saporosсhje besucht, um die Familien zu finden, die ihre Kinder zur Unterbringung an Kinderheime abgeben. In erster Linie handelt es sich um kinderreiche Familien, Familien mit nur einem Elternteil, meistens ist das die Mutter, und um Krisenfamilien.

Eine solche Familie besteht in der Regel aus:
• einer alleinerziehenden Mutter
• ca. 2-5 Kinder
• die über ein sehr geringes Einkommen verfügen – oftmals nur 50 € pro Monat (man kann ja im Gemüsegarten etwas anbauen, aber trotzdem ist das zu wenig Geld)
Da es in den meisten Dörfern fast keine Arbeit gibt, sind die staatlichen Geld- bzw. Sachleistungen die einzigen Überlebensmöglichkeiten einer Familie. Wenn man unter solcher Armut lebt ist es nachvollziehbar, warum Eltern ihre Kinder oft an Kinderheime abgeben und auch dem Alkohol verfallen.


Oksana hat zwei Kinder die den Kindergarten nicht besuchen können, weil sie die monatliche Verpflegungskosten in Höhe von 100 Hrivna (ca. 10 €) für den Kindergarten nicht aufbringen kann. Auf dem Arbeitsamt wird Oksana nicht als arbeitslos registriert, da sie keinen Schulabschluss hat. Ihr älterer Sohn muss bald eingeschult werden, aber wie sie das schaffen soll, weiß Oksana nicht


Die Söhne von Oksana wollen sicherlich nicht in einem Kinderheim (Intenat) leben, lieber bleiben sie bei der Mutter. Der Staat ist bereit monatlich 4.500 Hrivna (ca. 430 €) pro Kind im Internat zu bezahlen, aber er ist nicht imstande die soziale- und materielle Hilfe an die bedürftigen Familien zu leisten



Zuerst wollten wir den Familien Kleidung, Spielzeuge und Lebensmittel bringen um ihnen zumindest ein bisschen zu helfen. Auf ähnliche Weise handeln viele gutherzige Menschen und namhafte Spender.

Aber es ist unmöglich, den Hunger so zu stillen, dass die Wirkung für längere Zeit anhält. Morgen wird der Mensch wieder hungrig sein. Beginnen wir damit, den Familien Geschenke zu machen, gewöhnen sich die Menschen früher oder später daran alles geschenkt zu bekommen, ohne selbst etwas für die eigene Zukunft und die ihrer Kinder machen zu müssen. Was kann man also tun?

Das wichtigste Ziel der sozialen Hilfe ist die Erschaffung von günstigen Bedingungen für das Leben des Menschen, bei dem er die Selbstachtung nicht verliert, eigene Fähigkeiten entwickelt und einsetzt und letztendlich selbständig wird. Wir haben eine Idee.

Einerseits benötigt eine Krisenfamilie die Betreuung durch einen Sozialarbeiter, welcher die Familie unterstützt bei der Zeitplanung, der sinnvollen Verteilung der vorhandenen materiellen und anderen Ressourcen, der Kindererziehung und der Freizeitgestaltung. Der fachkundige Rat der Pädagogen, Psychologen, Ärzte usw. ist gefragt, um vorhandene Probleme zu lösen, damit die Familie aus einer Krisenlage herauskommt. Andererseits brauchen die armen Familien Geld.

Die Schaffung der Arbeitsplätze auf dem Land ist keine einfache Aufgabe, und das liegt außerhalb unserer Kompetenz. Aber…

Es ist uns folgendes eingefallen: In jedem Dorf gibt es öffentliche Plätze die nicht gepflegt werden, da die Gemeinde kein Geld dazu hat. Dies sind mit Unkraut bewachsene Straßen, Müllhalden und renovierungsbedürftige Gebäude.

Wir haben beschlossen einige Familien in Schutz zu nehmen, einen Rehabilitationsplan zu entwerfen und Sozialarbeiter und Psychologen einzuladen, damit sie die Familien begleiten und die Eltern für Arbeiten im Heimatdorf gegen ein bescheidenes Entgelt einstellen. Eltern die zum Alkoholkonsum neigen, bekommen Lebensmittel und Kleidung für ihre Kinder, dabei werden wir versuchen die Eltern von ihrer Alkoholsucht abzubringen.

Wir hoffen dass dadurch einige Familien mit ihren Kindern gerettet werden.

Unsere Stiftung hat vor, die Lohnkosten für die Eltern aus Krisenfamilien und für die Psychologen zu übernehmen. Wenn Sie dieses Programm monatlich mit einer kleinen Summe unterstützen, helfen Sie bei der Rettung dieser Familien die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Wir bedanken uns für jede Hilfe!







In diesem Haus lebt die Mutter mit drei Kindern, die Mutter trinkt. Das monatliche Einkommen der Familie beträgt 50 €


Dieses Haus gehört einer anderen Problemfamilie. Die Eltern können stundenlang vor dem Haus sitzen, aber sie kommen nicht auf den Gedanken, das Grundstück zu kultivieren


Der „beste“ Schlafplatz ist dieses Sofa hier!




Manche leben unter solchen Bedingungen!

Kommentar von Viktoria Motschalova:

Das Internat (vom lat. Internus – innen) ist eine Bildungseinrichtung, in der Schüler nicht nur lernen, sondern auch leben. Es unterstützt die Eltern bei der Kindererziehung, fördert Begabungen und Talente der Kinder und bereitet sie auf ihr eigenständiges Leben vor.

So steht es im Duden, aber in Wirklichkeit ist die Situation nicht gerade rosig. Die Hälfte der Internatskinder erleben alle Formen der Gewalt – emotionelle, körperliche und sexuelle Misshandlungen. Das Internat lehrt nichts anderes als das Leben im Internat. Leider ist die Vorbereitung auf das selbständige Leben und die Förderung der Begabungen im Internat nur ein schönes Märchen. Die Absolventen eines Internats sind auf das Leben außerhalb der Bildungseinrichtung nicht vorbereitet sowie Sozial inkompetent. Einfachste alltägliche Probleme können sie nicht lösen und der Umgang mit Geld ist ihnen fremd. Sie sind nicht imstande ihr eigenes Leben zu bewältigen. Die Statistik des Bildungsministeriums besagt:

- nur 25% der Absolventen haben einen festen Arbeitsplatz;

- nur 1% der Absolventen bekommen einen Studienplatz;

- jeder Fünfte wird obdachlos;

- jeder Siebte versucht Selbstmord zu begehen;

- 50% der Absolventen werden straffällig und kommen ins Gefängnis;

- 76% der Kinder haben Angst vor dem Verlassen des Internats und vor dem Leben außerhalb der Einrichtung;

- 70% meinen, sie könnten keine gute Ausbildung bekommen und keinen erwünschten Beruf erlernen…

Vor ein paar Jahren hat die Ukraine mit der Förderung, von verschiedenen Formen der familiären Fürsorge für Waisenkinder, begonnen. Bereits im Jahre 2009 änderte sich die Politik. Im Juni 2010 erließ der ukrainische Ministerpräsident Mykola Azarow, die Richtlinie, in der er die Stärkung des Internatssystems in der Ukraine vorgab. Darüber hinaus befürwortete er die Unterbringung der Kinder aus sozialschwachen Familien in Kinderheimen für Waisen und Sozialwaisen. Ab dem 1. September 2010 sollten viele Kinder aus diesen Familien ihre Schulbildung in Kinderheimen beginnen. Da nur die Familie die natürliche Umgebung für Kinder ist und eine sozial gerechte Entwicklung ermöglicht, schadet diese Politik den Kindern.

Experten der UNICEF studierten aufmerksam die Lage in der Ukraine. In den letzten drei Jahren stellten sie eine deutliche Verringerung der Sorgerechts-Entziehungen fest. Sie unterstrichen aber, dass die Zahl der Sorgerechts-Entziehungen immer noch unakzeptabel hoch sei. Die Vereinten Nationen sind auch besorgt um die mangelnden staatlichen Leistungen zum Schutz der Familien mit Kindern um die fehlenden Kontrollen über die erbrachten Leistungen und ihrer fehlenden Einschätzung ihrer Wirksamkeit.

Aus dem Diplomatischen ins Deutsche übersetzt bedeutet das folgendes: Die Situation in der Ukraine ist katastrophal. Die zurückgehende Zahl der Sorgerechtsentziehungen durch ukrainische Gerichte bedeutet nicht, dass die Krisenfamilien ihre Probleme jetzt besser lösen können. Ungünstige Situationen in Familien wurden einfach nicht berücksichtigt.

Kinderheime (Internate), die das Recht bekommen haben, Kinder aus armen- und sozialschwachen Familien unterzubringen und zu unterrichten, bilden aus Mitarbeitern spezielle Gruppen. Dies Gruppen fahren durch die Dörfer und überreden Familien die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden, ihre Kinder ins Internat zu geben. Im Internat bekommen die Kinder täglich fünf Mahlzeiten und etwas Fleisch. Es gibt Kleidung und Computerräume. Eine Frau die mit ca. 50 € pro Monat zwei oder drei Kinder durchbringen muss, lässt sich leicht überzeugen. Lehnt sie den Vorschlag ab, wird ihr mit dem Entzug des Sorgerechts gedroht. Auf diese Weise hat man in wenigen Wochen die leeren Klassen der Internate aufgefüllt. Man kann behaupten: Die Situation mit dem Schutz der Kinder hat sich nicht verbessert. Sie ist sogar schlimmer geworden. Kinder die auf solche Weise ihre Familien verlieren und in Internate gehen können im Gegensatz zu richtigen Waisenkindern nicht adoptiert oder in Pflege genommen werden. Sie führen das Leben eines Waisenkindes und haben doch offiziell Eltern.

Das bedeutet unsere Arbeit im Bereich der Adoption ist wenig effektiv. Anstelle eines adoptierten Kindes kann das Internat zwei, drei Kinder in naheliegenden Dörfern finden.

Die Vorbeugung der Entstehung von Sozialwaisen ist sehr wichtig, aber diese Arbeit wird nicht gemacht. Es wäre besser vorzubeugen als später einem Kind eine Familie zu suchen. Dies ist schwer zu bestreiten. Aber die Tätigkeit wird trotzdem nicht finanziert. Darüber hinaus mangelt es an Fachleuten und durchdachten Programmen. Unsere Stiftung kann und soll nicht den Staat ersetzen und seine Funktionen übernehmen. Aber wir wollen nicht auf dieses Problem tatenlos zuschauen. Es droht uns in der näheren Zukunft mit der sozialen Katastrophe.





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