Waisen und kranke Kinder von Zaporoshye, Ukraine
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Mein Besuch im Trainings- und Rehabilitationszentrum von Saporoshje

Ich war und bleibe weiterhin von den wundervollen Erfahrungen verblüfft, die ich habe, während ich die Waisen in Saporoshje besuche. Wenn es befreundete Amerikaner gäbe, die fragten ob sie fahren sollten, würde ich gewiss "ja" sagen!

Autor: Erich Steinhagen, übersetzt von Thomas Paul, www.deti.zp.ua
Veroffentlicht am: 2013-01-14 21-50-00   Counter: 1409
  
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Dank der Webseite von "Glückliches Kind", stehe ich seit mehreren Jahren mit einigen Kindern eines Waisenheims in Saporoshje in Kontakt. Ich habe insbesondere zu einem Kind, Anton, der im ehemaligen Internat Nr. 3 lebt, eine Bindung aufgebaut. Bei meinen Behühungen, mit ihm die Verbindung zu halten, und hoffentlich sein Leben zu verbessern, bin ich bislang zweimal in die Ukraine gereist. Albert Pavlov und seine Organisation, sind während dieser Besuche sehr liebenswürdig und hilfsbereit zu mir gewesen.

Mein jüngster Besuch geschah vor einigen Wochen. Ich bin gewerbsmäßiger Töpfer, und damit ich eine Verbindung zu den Kindern herstellen kann, brachte ich ein kleine tragbare Töpferscheibe mit. So konnte ich den Kindern mein Handwerk vorstellen und sie selbst das Arbeiten mit Ton erfahren lassen. Ungeachtet meiner Suche, konnte ich in Saporoshje keinen Ort finden, der Ton verkauft. Ich erfuhr sogar, dass Ton zu industriellen Zwecken abgebaut wird, aber ich war nicht bereit, mit den Tonmengen, die ich bräuchte, mit dem Flugzeug zu reisen. Dieses Problem trug ich Albert vor. Er meinte, dass wir in der Lage sein dürften, dort Ton zu finden und auszugraben.

Mich zur Reise ohne eine bestimmte Tonquelle zu entschließen, war von meiner Seite aus ein Akt des Vertrauens (oder der Verrücktheit), aber es gelang auf überraschende Weise. Trotz seines ausgelasteten Terminkalenders bot Albert großzügigerweise an, mich in Saporoshje herum zu fahren, um Ton zu suchen, und ich fand mich in Teilen der Stadt wieder, an denen ich noch nie zuvor gewesen bin. Wir fuhren von Baustelle zu Baustelle und hatten dabei kein Glück. Ein wenig entmutigt, kehrten wir zu Alberts Appartment zurück. Sieh da! Wird fanden dort Ton! Ein kleiner Haufen übrig gebliebener Erde von einem Bau, stellte sich als für meine Zwecke geeigneter Ton heraus.

Nun war ich imstande, etwas mit den Kindern im Waisenheim Nr. 3 zu arbeiten, wo Anton lebt. Sie mochten es wirklich. Wir verbrachten zusammen eine großartige Zeit, aber ich wollte noch ein anderes Waisenhaus kennen lernen. Albert schlug vor, dass wir Detske Dom Vladimirovka besuchen, ein Waisenheim für Kinder mit geistigen Einschränkungen. Es ist an den Außenbezirken von Saporoshje gelegen, und ich stimmte zu.

Albert rief vorher an und stellte sicher, dass sie auf mich vorbereitet waren. Wir fuhren zwar ohne Töpferscheibe, aber mit dem frisch erworbenen Ton zum Waisenheim. Dort wurden wir gütig von der Direktorin empfangen. Sie schien aufrichtig froh und begeistert von uns zu sein, und erklärte, dass es nicht viele Besucher gäbe. Dann führte sie uns auf einen Rundgang durch die Einrichtung und zeigte uns die Fortschritte, die dort gegenwärtig zugange sind. Unter den Projekten war eine Reihe Räume, um Kinder aus dem Waisenheim Kalinovka aufzunehmen, die sehr krank sind und für die es vorteilhafter sein wird, näher an der Stadt sowie an besseren medizinischen Einrichtungen zu sein. Ihr war es ein besonderes Vergnügen, uns mit Mittagessen zu verpflegen. Wir trafen einige der kleinen Kinder, die um uns herumschwärmten und sich nach jeder Art menschlicher Berührung sehnten.

Nun, Albert konnte nicht bleiben, aber ich wollte noch verweilen, um mit den Kindern etwas zu unternehmen. Deshalb wurde ich zu einem Kunst- und Bastelraum geführt, der mit einem papiergedeckten Tisch und einer Spüle ausgestattet ist. Ich zog den Ton hervor und und improvisierte an Ort und Stelle für ungefähr 15 der Kinder einen Unterricht zur Herstellung von handgemachten Kannen. Sie benahmen sich alle sehr wohlerzogen und schienen die Gelegenheit zu schätzen, mit Ton zu arbeiten. Nachdem wir unsere Vorhaben beendet hatten, erkundigte ich mich, wie ich mit den Kleinbussen, Marschrutkas genannt, wieder zur Innenstadt zurückkehren könnte. Stattdessen, war ich überrascht und dankbar zu erfahren, dass ein Auto gefunden würde, das mich wieder zurückbringt.

Mein Rückkehrbesuch am nächsten Tag in Detske Dom, war sogar interessanter und erfreulicher als der erste. Ich nahm diesmal die tragbare Töpferwerkstatt mit. Zwischen einer Menge mehr Ton, packte ich alles in einen kleinen Koffer auf Rollen. In den Marschrutkas zu reisen, ist jedes Mal ein gewisses Abenteuer, umso größer, wenn du etwas Schweres und Unhandliches zu schleppen hast. Obwohl ich allen Anweisungen folgte, die mir gegeben wurden, eine bestimmte Busnummer von der Innenstadt zu nehmen, erzählte mir der Busfahrer, dass dieser der falsche Bus sei und zeigte mir einen anderen. Einmal den Richtigen gefunden, erklärte ich dem neuen Fahrer, wohin ich möchte. Der Fahrer und einige Passagiere hielten eine kleine Konferenz darüber ab, wo das Waisenheim sei und wie sie mich dorthin bekämen. Schließlich sagte mir der Fahrer, er würde es mich wissen lassen, wann ich aussteigen müsste. Ich bin überzeugt, dass der Fahrer seinen Weg verließ, um mich am Tor der Schule heraus zu lassen. Kleine Freundlichkeiten wie diese passieren die ganze Zeit über in der Ukraine und sind ein Teil dessen, warum ich dabei bleibe, zurück zu kommen.

Ich kam in der Schule an, fand das Büro der Direktorin und erzählte ihr, für die Kinder bereit zu sein. Nein, sagte die Direktorin, nicht jetzt: "Zuerst die Aufführungen!" Einige wichtige Gäste kamen an. - Ich hatte keine Ahnung, wer sie waren, aber man kann sagen, dass sie sehr wichtig sein müssen, wie sie so schneidig in Anzug und Krawatte gekleidet waren. Wir wurden in eine Aula geführt, wo alle Kinder versammelt waren, und dann die begann die Inszenierung mit Liedern, Vorträgen und kleinen Parodien - Alles von den Kindern dargeboten. Ich wurde zusammen mit den anderen Gästen vorgestellt, aber zum Glück bat mich niemand zu sprechen!

Das war großartig anzuschauen. Aber nachdem es geendet hatte, war ich parat, einige Zeit mit den Kindern zu verbringen. Nein, wurde mir gesagt, nun sei es Zeit fürs Mittagessen! Man brachte mich mit den anderen Gästen in einen kleinen Raum, wo man uns einen herrlichen Mittagstisch bereitete, der aus Brot, Käse, Würsten, Früchten und Getränken bestand. Es wurden Trinksprüche ringsum ausgesprochen und ich versuchte mit meinem begrenzten Russisch ein Gespräch zu führen. Das Mittagessen endete mit einer Schachtel ukrainischer Schokolade, die umher gereicht wurde. Köstlich!

Endlich gestattete man mir, mit den Kindern zu arbeiten. Dazu wurde ich in den Kunstraum zurück gebracht, wo ich die Scheibe aufbaute, und die Kinder (diesmal ältere) der Reihe nach eintraten. Es ist schwer ihre Reaktion zu beschreiben, als sie zum ersten Mal meine Vorführung auf der Töpferscheibe sahen. Natürlich hatten sie derartiges noch nie zuvor gesehen. Sie waren schlichtweg begeistert! Allein dieser Moment, war die ganze Reise wert. Ich brachte einige Zeit für jeden von ihnen persönlich auf, sodass jeder fähig war, einen Krug unter meine praktischen Begleitung anzufertigen. Die Kinder waren so begeistert, dass sie anfingen, mir ihre eigenen Geschenke zu geben: kleine Stickereien aus Stoff, die sie selbst hergestellt hatten. Die Veranstaltung endete glücklich, mit Verabschiedungen und Umarmungen. Ich durfte wieder nicht das Marshrutka nehmen; ein älterer Herr fuhr mich in seinem Auto zur Innenstadt zurück.

An diesem Punkt sollte ich erwähnen, dass mein Russisch nicht fließend ist. Ich spreche ausreichend, um Leute zu grüßen, begrenzt nach Richtungen zu fragen und einige Höflichkeiten auszudrücken. Und jetzt können Sie mich fragen, wie ich imstande bin, mit den Kindern zu kommunizieren. Die gefundene Antwort von mir lautet, dass eine universale Sprache ins Spiel kommt, wenn gewöhnliche Unterhaltung nicht möglich ist. Also, auch ein begrenzter Wortschatz kann helfen, Standpunkte deutlich zu machen. Ich lerne bei jedem Besuch mehr Russisch, und finde es erfrischend wie herausfordernd, nicht frustrierend. Die Kinder sind auch eifrige Lehrer.

Ich war und bleibe weiterhin von den wundervollen Erfahrungen verblüfft, die ich habe, während ich die Waisen in Saporoshje besuche. Wenn es befreundete Amerikaner gäbe, die fragten ob sie fahren sollten, würde ich gewiss "ja" sagen! Aber nicht ohne einen Plan. Man muss etwas anbieten können: Musik, Kunst, Sport oder irgendetwas anderes, dass die Kids informiert oder unterhält. Treffe Deine eigenen Verabredungen für die Unterbringung; erwarte nicht, dass sie bereit gestellt sein wird. Obwohl, ich finde oftmals Leute, die mich verpflegen möchten, doch setze nicht voraus, dass dies immer der Fall sein wird. Es gibt viele gute und preiswerte Restaurants, Cafes und Straßenverkäufer von Lebensmitteln. Knüpfe vorzeitig Kontakte und sei Dir im Klaren darüber, was Du sehen und machen willst, wenn Du dort bist.

Zweitens, während Du Pläne schmiedest, rechne nicht damit, dass alles genau nach Plan laufen wird. Ich finde die Art, wie sich Dinge entwickeln oftmals besser, als irgendetwas, dass zuvor von mir ausgedacht war. Setze kein ständig verfügbares leibliches Wohl in Form von Klimaanlagen und Toilletten im westlichen Stil voraus.

Bringe nicht allzu viele Sachen mit. Alles, was Du vielleicht bräuchtest, ist auf den Märkten und Basaren sowie vielen Geschäften in westlicher Art erhältlich, oftmals billiger als zu Hause.

Sehr wenige Leute, die Du triffst, werden Englisch können. Lerne wenigstens etwas Russisch; es zeigt, dass Du die Menschen respektierst und es wird Dir erlauben, auf einem gewissen Niveau tätig zu sein. Habe keine Angst, umher zu gehen und mit Menschen zu sprechen.

Abschließend möchte ich sagen, dass meine Absicht des Besuchens darin besteht, den Kindern etwas zu geben; jedoch im Endeffekt, erhalte ich immer mehr als ich gebe. Das ist nicht bloß eine kleine rhetorische Redewendung, denn eigentlich ist es wahr, und manchmal ein wenig schwer zu akzeptieren. Ich fahre in der Erwartung hin, Not zu ertragen, Zeit und Mühe zu opfern, aber reise immer unermesslich bereichert ab.
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