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"Anderes" Theater für Waisen aus Kalinovka

Vergangenen Sonnabend gingen zwanzig Kinder und Erwachsene mit Lernschwierigkeiten aus dem Kalinovka-Waisenheim ins Theater. Hier sind meine Eindrücke und Gedanken über den freien Tag mit "unterschiedlichen" Leuten

Autor: Maria Semashkina, übersetzt von Thomas Paul, www.deti.zp.ua
Veroffentlicht am: 2013-12-02 11-00-00   Counter: 1562
  
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Ich begann das Chernigov-Kinderheim im entfernt liegenden Dorf Kalinovka im März letzten Jahres zu koordinieren. Damals war ich nur ein Freiwilliger. Mein Volontär-Leben begann mit dem Übersetzen von Artikeln über das Kinderheim in Kalinovka. Später besuchte ich den abgelegenen Ort zusammen mit dem "Glückliches Kind"-Direktor Albert Pavlov. Die einzige Sache, die mich bedrängte - das war der unangenehme Geruch in den Räumen des Kinderheims. Als ich die Waisen aus Kalinovka zum "Goldenen Schlüssel"-Musical im März vergangenen Jahres begleitete, rief dieser außergewöhnliche Mief Ekel in mir hervor.

Seit dieser Zeit halte ich mich gelegentlich für eine Woche im Kinderheim von Kalinovka auf. Manchmal scheint es mir auf meiner Rückreise, dass die meisten Leute, die ich in öffentlichen Verkehrsmitteln sehe, einen leichten Ansatz von Wahnsinn haben. Ich könnte nicht mehr denjenigen Ärzten zustimmen die behaupten, dass sogenannte "gesunde" Menschen nur nicht vollkommen diagnostiziert wurden. Wenn mich von Zeit zu Zeit einige der behinderten Kinder oder Erwachsenen verrückt machen, kann ich meine Geduld verlieren und explodieren mit "Bist du verrückt, oder was?". Das ist genau das Gleiche, was ich irgendeinem Familienmitglied oder Freund sage, die als geistig gesund gelten.

Um vollkommen ehrlich zu Ihnen zu sein, kümmerte ich mich gewöhnlich, bevor ich der Wohltätigkeitsorganisation "Glückliches Kind" beitrat, nicht die Bohne um Leute mit Behinderungen. Ich sah behinderte Menschen, dachte aber nie wirklich über sie nach. Heutzutage klebt meine Aufmerksamkeit an Rollstuhlfahrern und Menschen mit Downsyndrom. Ich interessiere mich für ihre Grundbedürfnisse und täglichen Sorgen. Und ich betrachte sie als "absolut" gleichwertig im Bezug zu mir. Irgendwie muss ich ein naiver Träumer sein, denn die Realität ist bedeutend vielschichtiger.



Am 16. November fuhren zwanzig Bewohner des Chernigov-Kinderheims in Kalinovka zum Theater für Junges Publikum in Saporoshje. Das Theater hieß unser große Gesellschaft mit zehn Betonstufen "willkommen", die die Tatsache zu betonen schienen, dass Rollstuhlfahrer dort verboten wären. Ich erinnere mich, wie der spätere Stadt-Bürgermeister, Herrn Polyak, alle lokalen Geschäftleute verpflichtete, den Bürgersteig vor Läden, Cafès und Kiosken einzuebenen. Vielleicht wird unsere gegenwärtige Regierung freundlicherweise wenigstens einige staatliche Einrichtungen anweisen, Rampen für diese Leute zu installieren, deren Unterschied im Benutzen eines Rollstuhls besteht.

Die Kinder und Erwachsenen aus Kalinovka kamen, um die Aufführung "Die frohe Familie" anzuschauen, welche ideal ihrem geistigen Entwicklungsstand entsprach. Der Beginn unseres Theatertages sah vor dem Moment, als mich eine Seniorendame mit Perücke ängstlich fragte, ob "solche" Kinder und Erwachsenen nicht die Aufführung verderben würden, ziemlich vielversprechend aus. Sie fügte außerdem hinzu, dass es "besondere Stücke für solche Leute" gäbe. Ich war besorgt mir vorzustellen, welche Art von Aufführungen das Theater für Menschen mit Behinderungen wohl haben mag.







Letztendlich benahmen sich die "aussätzigen" Kinder und Erwachsenen aus Kalinovka auf eine diszipliniertere Weise als ich jemals vermuten könnte. In der Zwischenzeit rannten "normale" Kinder schreiend im Saal herum, während "normale" Eltern zu Beginn des Schauspiels anfingen, mit Essenspaketen zu rascheln. Sie hatten, außer während der Theateraufführung, gewiss keine Zeit und Gelegenheit zum Samstagmittagessen.

Das Ende "unserer Vorstellung" war ganz schön erbärmlich. Die gleiche alte Dame mit Perrücke wünschte jedem Kind und Erwachsenen schnellste Genesung, als ob sie alle todkrank wären. In Wirklichkeit wissen alle, dass sie überhaupt nicht derart krank sind.

Wie auch immer, hat diese Dame nicht den blassesten Schimmer. Wahrscheinlich ist diese Dame irgendjemandes Oma und Mama, die vermutlich den verrückten Gedanken verbreitet, dass "solche unnormalen" Leute nicht im Theater willkommen sind.

Bezüglich des Theaterspiels, unterschätzte ich meine Freunde aus Kalinovka. Kinder, die jetzt in der Glückliches Zuhause-Anpassungsgruppe leben, fanden "Die frohe Familie" eher langweilig. Das Gleiche traf auch für einige Erwachsenen zu. Yura versuchte jeden mit Klatschen aufzumuntern. Einige Jungs waren sicher, die Weihnachtsfeier zu genießen, bei der sie am Ende Geschenke erhalten. Dennoch, alles hat seine Zeit.

Die achtzehn- bis vierzigjährigen Burschen aus Kalinovka waren vermutlich die Einzigen, die das Schauspiel wahrhaft genossen. Sie kommen sonst kaum raus, und so waren sie außerdem durch das Theaterspiel beglückt. Sie hoben oft ihre Daumen hoch, was ein sichtbares Zeichen dafür war, dass sie gerade die Zeit ihres Lebens haben.

Die Hin- und Rückfahrt aus Kalinovka kostet uns 1 600 UAH (142 Euro), was der Preis für die Gelegenheit besonderer Menschen ist, uns "normalen" Menschen zu zeigen, dass sie genau wie wir sind. Wir unterscheiden uns nicht wirklich. Nicht mehr, nicht weniger.

Ich hoffe insgeheim, dass das Theater für Junge Zuschauer in Saporoshje, bald eine Rampe wie auch Stücke für alle Arten von Menschen haben wird. Besondere und gewöhnliche.

Vielen Dank an jeden, der unsere Fahrt finanziell unterstützte. Wir sind den Freiwilligen Masha, Nastia, Stas und der Kinderheimbelegschaft dankbar, den Ausflug möglich gemacht zu haben und für ihre sofortige Reaktion. Ich bin mir sicher, es wird nicht die letzte Fahrt für kleine und große Waisen aus Kalinovka gewesen sein. Glauben Sie mir - sie schätzen wirklich Ihre Fürsorge. Ohne unnötige Worte. Danke!



PS. Als ich mit dem Schreiben des Artikels fertig war, erhielt ich einen Telefonanruf von einer religiösen Organisation, die anbot, das Kinderheim zu besuchen. Ihre erste Frage war, ob "gesunde" Kinder zufällig durch diese besonderen Kinder erschreckt werden könnten. Diese seltsame Frage bedeutet, unsere Gesellschaft sollte dringend behandelt werden...

PSs. Der Sohn eines unserer Sponsoren in England, erwiderte auf die Frage, was er über Alyoscha (ein adoptierter Junge ohne Gliemaßen) denke, auf die Weise: "Er hat ein lustiges T-Shirt". In der Ukraine würden einige Leute verängstigt werden. Es ist gewiss etwas in unseren Köpfen verkehrt. Von Generation zu Generation... Tatsache ist, Sie werden niemals wissen, wozu Sie morgen in der Lage sein werden. Denken Sie einfach mal darüber nach und sprechen Sie dann mit Ihren Kindern...
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