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Wof├╝r sollte man leben?

Der Abschiedsbrief von Iryna Gavrysheva - einer Volont├Ąrin der Wohlt├Ątigkeitsstiftung Gl├╝ckliches Kind

Autor: Iryna Gavrysheva, ├╝bersetzt von Thomas Paul, deti.zp.ua
Veroffentlicht am: 2016-01-11 17-30-00   Counter: 931
  
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"Ich wei├č, einer allein kann nicht die Welt retten, jedoch wei├č ich, dass es m├Âglich ist mindestens einen Menschen zu sch├╝tzen." - Iryna Gavrysheva, eine Volont├Ąrin

Iryna Gavrysheva geh├Ârte im wahrsten Sinne des Wortes zu den Gr├╝ndern der Wohlt├Ątigkeitsstiftung Gl├╝ckliches Kind. Sie trat in das Volont├Ąrteam ein, das kranken Kindern zu der Zeit half als Gl├╝ckliches Kind formal noch nicht existierte. In 2006 wandte sie sich mit ihrem Angebot "Ich m├Âchte helfen" an den gegenw├Ąrtigen Pr├Ąsidenten von "Gl├╝ckliches Kind" Albert Pavlov und begann dann sofort mit ihrer Arbeit.

Vom allerersten Augenblick und bis zu ihrem Umzug nach Kyjiv, war Iryna eine der "Energieb├╝ndel" der Stiftung. Nachdem sie umgezogen war um in der Hauptstadt zu leben, setzte sie ihre Unterst├╝tzung f├╝r Kinder von "Gl├╝ckliches Kind" und jedem der Hilfe brauchte fort.

Irynas Abschiedsbotschaft wie auch ihr Leben selbst, inspirieren jeden von uns das Leben zu lieben und daf├╝r zu k├Ąmpfen.



Iryna Gavrysheva hinterlie├č diese wundervolle Botschaft an jeden von Euch:

"Wenn Ihr das liest..." - sollte man auf diese Weise derartige Briefe beginnen, oder besser nicht? In meiner Kindheit liebte ich f├╝r gew├Âhnlich Melodramen. Ich mochte solche Filme, in denen es trotz ernsthafter Gesundheitsk├Ąmpfe die Liebe gab; wo am Ende des Korridors der Doktor kommt, welcher vermeidet Dich anzuschauen und verzweifelt den Kopf sch├╝ttelt. Wenn dann ein Begr├Ąbnis mit schluchzenden Verwandten stattfindet, einem Blumenmeer, einer Lebewohl-Rede und solchen Abschiedsgr├╝├čen wie "Wenn Du das liest, bedeutet es...". Mir erschien es romantisch und richtig.

Dann wuchs ich auf. Der Gedanke, dass mein Leben in derselben Seifenoper-Weise enden w├╝rde, begann mich zu erschrecken. Verschwitzte Wiederbelebungsaktionen die Deine Rippen beim Versuch brechen, Dein Herz in Gang zu setzen und in Ohnmacht fallende Familienangeh├Ârige - dies alles begann mich zu erschrecken. Meine Art zu sein und meine Art zu leben - ich sollte es lieben diese Welt anders zu verlassen.

Der K├Ârper in einem Sarg, mit Blumen bedeckt... Keinesfalls! Zuallererst, m├Âchte ich in meinen gerissenen Jeans gesehen werden und dem T-Shirt mit dem Aufdruck "FAHRE BIS ZUM SCHLUSS" - als ich es kaufte habe ich bereits gewusst, dass ich es nicht nur auf meinem Lebensweg zur Schau stellen, sondern auch bei meiner Reise in den Himmel trage w├╝rde. Zweitens, ein gro├čer Teil meines Lebens war ich in Wohlt├Ątigkeitsprojekten engagiert (bin engagiert... hmmmm, welche Zeitform sollte ich verwenden?). Es geschah, dass Wohlt├Ątigkeit in der Gesundheitsversorgung mich am meisten interessierte. Ich helfe das notwendige Geld zu sammeln, sodass jemand seine oder ihre Chance zum Leben bekommen oder irgendeine Art der Erleichterung erhalten w├╝rde. Diese Chancen kosten Geld. Das alles bedeutet bestimmte Geldbetr├Ąge. Es h├Ąngt komplett von Deinem Gl├╝ck ab - einige Leute brauchen tausende und andere Millionen Hryvnjas, und damit einer seine bzw. eine ihre Chance bekommt, muss ich andere Menschen auffordern "bitte zu spenden". Ich mag es nicht derartiges zu schreiben wie "Gebe Deinen morgendlichen Becher Kaffee auf!". Zu meiner Philosophie geh├Ârt nicht Leute zu ermutigen ein asketisches Leben zu f├╝hren. Dennoch, da es mich pers├Ânlich betrifft - ich besitze mein Recht auf einige Dinge zu bestehen - bestellt keinen Rasen um mein Grab und zerst├Ârt nicht mein Ansehen (ein schrecklicher Pterodactylus in Blumen - ist zu s├╝├č). Das Geld, dass Ihr f├╝r Blumenstr├Ąu├če und Kr├Ąnze beabsichtigt zu verwenden - legt es in einen Umschlag und dieses wird zur Chance f├╝r jemanden der/ die noch am Leben ist. Ich werde auch ohne Blumen in meinem Grab ├╝berleben (LOL), schw├Âre ich! Dieses Geld wird bestimmt zur Chance f├╝r jemanden (Ich kenne sogar diese Namen!) Dieses Geld wird zur Chance auf Morgen oder zumindest f├╝r ein leichteres Heute.

In Gro├čbritannien ehren die Menschen das Andenken ihrer Geliebten durch das Aufstellen von B├Ąnken in Parks oder ├Âffentlichen G├Ąrten. Ich betrachte das als weises und soziales Gedenken. Immerhin, eine Bank zur Erinnerung an Pterodactyl scheint etwas Neues zu sein! Trotzdem, wenn jemand die "Erinnerung an Pterodactyl" f├╝hlen muss, lasse es besser eine Bank im Garten als ein St├╝ck Granit auf dem Friedhof sein. Das Beste w├╝rde eine n├╝tzliche Ausstattung in meinem geliebten Stammzelltransplantationszentrum sein oder im Hospiz oder f├╝r einen Patienten mit erschreckender palliativer Diagnose - es gibt so viele von ihnen.

Im Fall, Du k├Ânntest mich missverstehen - die Bank an meinem Grab z├Ąhlt nicht!

Ich war ein Maximalist als Teenager. "Leben um jeden Preis zu bewahren" - das handelt von mir und den Menschen um mich herum. Meine Mission als Volont├Ąrin bestand darin Leben zu retten. Aber dann kam der Moment als ich krank wurde und davon m├╝de... vom Bewahren anderer (meine G├╝te, sie wurden nicht davor bewahrt) und mich. Als mir erkl├Ąrt wurde, s├Ąmtliche Behandlungsoptionen seien eingesetzt, war mein erster Gedanke: "Endlich!" Vom diesem allerersten Tag an zu wissen begrenzte Zeit zu haben, ergriff ich die unausgesprochene Freiheit. Ich besa├č die Freiheit zu tun, was immer ich heute tun wollte. Ich konnte Dinge machen, die mir Freude und Gl├╝ck bereiteten. Ich musste nichts f├╝r das Morgen opfern. Es d├╝rfte ohnehin kein Morgen geben. Drei Lebensjahre gef├╝llt mit Zufriedenheit, ungeachtet langsamen Ausklingens. Immerhin, drei Jahre SOLCH ein Leben Dank der Unterst├╝tzung von mich umgebenden Menschen. Es sieht nur so aus, dass "wir k├Ânnen Ihnen nicht mehr helfen" und alles vorbei ist. Tats├Ąchlich beginnt hier eine Herausforderung. Von Monat zu Monat brauchst Du mehr Hilfe, w├Ąhrend sich Deine F├Ąhigkeiten ersch├Âpfen. Jeder neue Tag bedeutet eine Menge mehr Medizin, hilfreiche Apparate, usw. Gut, Du bist frei nichts zu kaufen - Du bist ohnedem verurteilt zu sterben. Indessen, wenn Du noch etwas tun kannst - f├╝hlst Du Dich nicht wie hinlegen und sterben. Du m├Âchtest die verbleibene Zeit verwenden. Es kostet dennoch Geld. Es kostet die Kraft der Menschen um Dich herum, weil Deine eigene Kraft zu Ende geht.

Freunde, die nach einem Telefonanruf herbeieilten, um "Pterodactyl zu babysitten", die inmitten der Nacht den gew├╝nschten Hamburger brachten oder den Schlitten mit der eingepackten Pterodactyl auf den H├╝gel zogen, die leckere Sachen in der K├╝che kochten - ohne all jene w├Ąren diese drei Jahre total anders verlaufen. Menschen spendeten ihr Geld f├╝r mich obgleich wissend, ich w├╝rde niemals wieder gesund werden... Dank jedem von Euch, hatte ich alles was ich brauchte. Ich besa├č wirklich komplett alles, sogar mehr als aussichtsreichere Patienten. Dank meinem phantastischen Zimmer, das geradewegs wie eine vollst├Ąndig eingerichtete Intensivstation war - konnte ich weiter leben. Ich blieb am Leben, nicht um zu existieren. Eben auf diese Weise, wie ich es wollte.

Du stirbst nicht sofort wegen irgendeiner Krankheit. Es dauert. Es braucht Geld. Es braucht viel Geld w├╝rdevoll zu sterben. Es braucht eine Menge Geld und gro├če Anstrengungen, es weniger grausam geschehen zu lassen. Jeder Mensch verdient, sein/ ihr Leben in W├╝rde zu beenden. Jeder Mensch verdient, ohne Schmerz und Leiden davon zu gehen. Hier an der Kante, ist es bedeutend spannender etwas f├╝r Andere zu machen. Es ber├╝hrt tiefer. Du wirst zum Verbessern oder Zur├╝ckzahlen nicht in der Lage sein. Du hast nur eine Chance, den Weg mit jemandem zu teilen und es so leicht wie m├Âglich zu gestalten. Nur ein einziges Mal. Mit keinem Recht zum Fehler. Mit einem besonderen Gef├╝hl, wenn es Dir gelingt. Zumindest ein kleines bisschen. Wenn Du Dich jedenfalls auch nur ein wenig bem├╝hst - Du wirst bestimmt Erfolg haben. Ich kenne das.

Ich vermute, dass "dann" viele Leute etwas ├╝ber mich schreiben werden. Dar├╝ber, was f├╝r eine Sorte Mensch ich war... Eigentlich gab es viele Artikel, die von mir handelten als ich am Leben war, die eher wie Todesanzeigen klingen. Es ist schade, ich werde diese Kommentare nicht lesen oder mit einem Smiley versehen k├Ânnen. F├╝r diejenigen, welche schreiben werden - ich hoffe Du wei├čt, ich kann keine Leidenschaft und Bewunderung ertragen. :) Sollte jemand wirklich den Wunsch versp├╝ren seine Bewunderung auszudr├╝cken - so kannst Du das mittels Spenden an das Palliativprogramm "Lebe jede Sekunde, lebe jeden Moment" =) Bewundert mich bitte nicht in Texten! Abgemacht? =)

Hier ist der Link f├╝r Blumen an Pterodactyl:

Leute behaupten, es g├Ąbe irgendwo ein Paradies. Es g├Ąbe eine ideale Welt ohne Schmerz und Leiden. Das ist toll. Aber ich denke weiter - was sollte ich dort tun? Was sollte ich tats├Ąchlich ohne Gesundheitsberichte, komplizierte Rehabilitationsger├Ąte und "Spenden Sie, bitte" machen? Es war mein Leben in den vergangenen neun Jahren. Was soll ich da tun, wo medizinische Experten und Spendensammler nicht gesucht sind? Hoffnungsvoll werde ich mein Ziel dort finden... Ihr alle habt diese Welt... wo Menschen die gegenseitige Hilfe brauchen. Wo der einzige Weg des ├ťberlebens im Schulter an Schulter stehen besteht. Wo nicht nur ein Starker den Schwachen verteidigen wird, aber auch der Schw├Ąchste eine Menge f├╝r seinen Nachbarn/ seine Nachbarin tun kann.

Ich habe meinen Job getan. =) Ihr alle scheint eine Menge Arbeit vor Euch zu haben, obwohl."









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