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Wofür sollte man leben?

Der Abschiedsbrief von Iryna Gavrysheva - einer Volontärin der Wohltätigkeitsstiftung Glückliches Kind

Autor: Iryna Gavrysheva, übersetzt von Thomas Paul, deti.zp.ua
Veroffentlicht am: 2016-01-11 17-30-00   Counter: 1085
  
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"Ich weiß, einer allein kann nicht die Welt retten, jedoch weiß ich, dass es möglich ist mindestens einen Menschen zu schützen." - Iryna Gavrysheva, eine Volontärin

Iryna Gavrysheva gehörte im wahrsten Sinne des Wortes zu den Gründern der Wohltätigkeitsstiftung Glückliches Kind. Sie trat in das Volontärteam ein, das kranken Kindern zu der Zeit half als Glückliches Kind formal noch nicht existierte. In 2006 wandte sie sich mit ihrem Angebot "Ich möchte helfen" an den gegenwärtigen Präsidenten von "Glückliches Kind" Albert Pavlov und begann dann sofort mit ihrer Arbeit.

Vom allerersten Augenblick und bis zu ihrem Umzug nach Kyjiv, war Iryna eine der "Energiebündel" der Stiftung. Nachdem sie umgezogen war um in der Hauptstadt zu leben, setzte sie ihre Unterstützung für Kinder von "Glückliches Kind" und jedem der Hilfe brauchte fort.

Irynas Abschiedsbotschaft wie auch ihr Leben selbst, inspirieren jeden von uns das Leben zu lieben und dafür zu kämpfen.



Iryna Gavrysheva hinterließ diese wundervolle Botschaft an jeden von Euch:

"Wenn Ihr das liest..." - sollte man auf diese Weise derartige Briefe beginnen, oder besser nicht? In meiner Kindheit liebte ich für gewöhnlich Melodramen. Ich mochte solche Filme, in denen es trotz ernsthafter Gesundheitskämpfe die Liebe gab; wo am Ende des Korridors der Doktor kommt, welcher vermeidet Dich anzuschauen und verzweifelt den Kopf schüttelt. Wenn dann ein Begräbnis mit schluchzenden Verwandten stattfindet, einem Blumenmeer, einer Lebewohl-Rede und solchen Abschiedsgrüßen wie "Wenn Du das liest, bedeutet es...". Mir erschien es romantisch und richtig.

Dann wuchs ich auf. Der Gedanke, dass mein Leben in derselben Seifenoper-Weise enden würde, begann mich zu erschrecken. Verschwitzte Wiederbelebungsaktionen die Deine Rippen beim Versuch brechen, Dein Herz in Gang zu setzen und in Ohnmacht fallende Familienangehörige - dies alles begann mich zu erschrecken. Meine Art zu sein und meine Art zu leben - ich sollte es lieben diese Welt anders zu verlassen.

Der Körper in einem Sarg, mit Blumen bedeckt... Keinesfalls! Zuallererst, möchte ich in meinen gerissenen Jeans gesehen werden und dem T-Shirt mit dem Aufdruck "FAHRE BIS ZUM SCHLUSS" - als ich es kaufte habe ich bereits gewusst, dass ich es nicht nur auf meinem Lebensweg zur Schau stellen, sondern auch bei meiner Reise in den Himmel trage würde. Zweitens, ein großer Teil meines Lebens war ich in Wohltätigkeitsprojekten engagiert (bin engagiert... hmmmm, welche Zeitform sollte ich verwenden?). Es geschah, dass Wohltätigkeit in der Gesundheitsversorgung mich am meisten interessierte. Ich helfe das notwendige Geld zu sammeln, sodass jemand seine oder ihre Chance zum Leben bekommen oder irgendeine Art der Erleichterung erhalten würde. Diese Chancen kosten Geld. Das alles bedeutet bestimmte Geldbeträge. Es hängt komplett von Deinem Glück ab - einige Leute brauchen tausende und andere Millionen Hryvnjas, und damit einer seine bzw. eine ihre Chance bekommt, muss ich andere Menschen auffordern "bitte zu spenden". Ich mag es nicht derartiges zu schreiben wie "Gebe Deinen morgendlichen Becher Kaffee auf!". Zu meiner Philosophie gehört nicht Leute zu ermutigen ein asketisches Leben zu führen. Dennoch, da es mich persönlich betrifft - ich besitze mein Recht auf einige Dinge zu bestehen - bestellt keinen Rasen um mein Grab und zerstört nicht mein Ansehen (ein schrecklicher Pterodactylus in Blumen - ist zu süß). Das Geld, dass Ihr für Blumensträuße und Kränze beabsichtigt zu verwenden - legt es in einen Umschlag und dieses wird zur Chance für jemanden der/ die noch am Leben ist. Ich werde auch ohne Blumen in meinem Grab überleben (LOL), schwöre ich! Dieses Geld wird bestimmt zur Chance für jemanden (Ich kenne sogar diese Namen!) Dieses Geld wird zur Chance auf Morgen oder zumindest für ein leichteres Heute.

In Großbritannien ehren die Menschen das Andenken ihrer Geliebten durch das Aufstellen von Bänken in Parks oder öffentlichen Gärten. Ich betrachte das als weises und soziales Gedenken. Immerhin, eine Bank zur Erinnerung an Pterodactyl scheint etwas Neues zu sein! Trotzdem, wenn jemand die "Erinnerung an Pterodactyl" fühlen muss, lasse es besser eine Bank im Garten als ein Stück Granit auf dem Friedhof sein. Das Beste würde eine nützliche Ausstattung in meinem geliebten Stammzelltransplantationszentrum sein oder im Hospiz oder für einen Patienten mit erschreckender palliativer Diagnose - es gibt so viele von ihnen.

Im Fall, Du könntest mich missverstehen - die Bank an meinem Grab zählt nicht!

Ich war ein Maximalist als Teenager. "Leben um jeden Preis zu bewahren" - das handelt von mir und den Menschen um mich herum. Meine Mission als Volontärin bestand darin Leben zu retten. Aber dann kam der Moment als ich krank wurde und davon müde... vom Bewahren anderer (meine Güte, sie wurden nicht davor bewahrt) und mich. Als mir erklärt wurde, sämtliche Behandlungsoptionen seien eingesetzt, war mein erster Gedanke: "Endlich!" Vom diesem allerersten Tag an zu wissen begrenzte Zeit zu haben, ergriff ich die unausgesprochene Freiheit. Ich besaß die Freiheit zu tun, was immer ich heute tun wollte. Ich konnte Dinge machen, die mir Freude und Glück bereiteten. Ich musste nichts für das Morgen opfern. Es dürfte ohnehin kein Morgen geben. Drei Lebensjahre gefüllt mit Zufriedenheit, ungeachtet langsamen Ausklingens. Immerhin, drei Jahre SOLCH ein Leben Dank der Unterstützung von mich umgebenden Menschen. Es sieht nur so aus, dass "wir können Ihnen nicht mehr helfen" und alles vorbei ist. Tatsächlich beginnt hier eine Herausforderung. Von Monat zu Monat brauchst Du mehr Hilfe, während sich Deine Fähigkeiten erschöpfen. Jeder neue Tag bedeutet eine Menge mehr Medizin, hilfreiche Apparate, usw. Gut, Du bist frei nichts zu kaufen - Du bist ohnedem verurteilt zu sterben. Indessen, wenn Du noch etwas tun kannst - fühlst Du Dich nicht wie hinlegen und sterben. Du möchtest die verbleibene Zeit verwenden. Es kostet dennoch Geld. Es kostet die Kraft der Menschen um Dich herum, weil Deine eigene Kraft zu Ende geht.

Freunde, die nach einem Telefonanruf herbeieilten, um "Pterodactyl zu babysitten", die inmitten der Nacht den gewünschten Hamburger brachten oder den Schlitten mit der eingepackten Pterodactyl auf den Hügel zogen, die leckere Sachen in der Küche kochten - ohne all jene wären diese drei Jahre total anders verlaufen. Menschen spendeten ihr Geld für mich obgleich wissend, ich würde niemals wieder gesund werden... Dank jedem von Euch, hatte ich alles was ich brauchte. Ich besaß wirklich komplett alles, sogar mehr als aussichtsreichere Patienten. Dank meinem phantastischen Zimmer, das geradewegs wie eine vollständig eingerichtete Intensivstation war - konnte ich weiter leben. Ich blieb am Leben, nicht um zu existieren. Eben auf diese Weise, wie ich es wollte.

Du stirbst nicht sofort wegen irgendeiner Krankheit. Es dauert. Es braucht Geld. Es braucht viel Geld würdevoll zu sterben. Es braucht eine Menge Geld und große Anstrengungen, es weniger grausam geschehen zu lassen. Jeder Mensch verdient, sein/ ihr Leben in Würde zu beenden. Jeder Mensch verdient, ohne Schmerz und Leiden davon zu gehen. Hier an der Kante, ist es bedeutend spannender etwas für Andere zu machen. Es berührt tiefer. Du wirst zum Verbessern oder Zurückzahlen nicht in der Lage sein. Du hast nur eine Chance, den Weg mit jemandem zu teilen und es so leicht wie möglich zu gestalten. Nur ein einziges Mal. Mit keinem Recht zum Fehler. Mit einem besonderen Gefühl, wenn es Dir gelingt. Zumindest ein kleines bisschen. Wenn Du Dich jedenfalls auch nur ein wenig bemühst - Du wirst bestimmt Erfolg haben. Ich kenne das.

Ich vermute, dass "dann" viele Leute etwas über mich schreiben werden. Darüber, was für eine Sorte Mensch ich war... Eigentlich gab es viele Artikel, die von mir handelten als ich am Leben war, die eher wie Todesanzeigen klingen. Es ist schade, ich werde diese Kommentare nicht lesen oder mit einem Smiley versehen können. Für diejenigen, welche schreiben werden - ich hoffe Du weißt, ich kann keine Leidenschaft und Bewunderung ertragen. :) Sollte jemand wirklich den Wunsch verspüren seine Bewunderung auszudrücken - so kannst Du das mittels Spenden an das Palliativprogramm "Lebe jede Sekunde, lebe jeden Moment" =) Bewundert mich bitte nicht in Texten! Abgemacht? =)

Hier ist der Link für Blumen an Pterodactyl:

Leute behaupten, es gäbe irgendwo ein Paradies. Es gäbe eine ideale Welt ohne Schmerz und Leiden. Das ist toll. Aber ich denke weiter - was sollte ich dort tun? Was sollte ich tatsächlich ohne Gesundheitsberichte, komplizierte Rehabilitationsgeräte und "Spenden Sie, bitte" machen? Es war mein Leben in den vergangenen neun Jahren. Was soll ich da tun, wo medizinische Experten und Spendensammler nicht gesucht sind? Hoffnungsvoll werde ich mein Ziel dort finden... Ihr alle habt diese Welt... wo Menschen die gegenseitige Hilfe brauchen. Wo der einzige Weg des Überlebens im Schulter an Schulter stehen besteht. Wo nicht nur ein Starker den Schwachen verteidigen wird, aber auch der Schwächste eine Menge für seinen Nachbarn/ seine Nachbarin tun kann.

Ich habe meinen Job getan. =) Ihr alle scheint eine Menge Arbeit vor Euch zu haben, obwohl."









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